In der Berserkjahraun
In der Berserkjahraun

Island ist trotz seiner Kargheit ein enorm vielfältiges Land. Es gibt zwar keine üppige Vegetation, aber ein sehr breites Spektrum an Landschaften vulkanischen, nordischen Charakters. Die Distanzen im Land sind gross, und oft muss man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten stundenlang reisen. Gewisse Orte sind sogar so schwer zugänglich, dass man sie ohne Geländefahrzeug und Erfahrung im Furten von Flüssen gar nicht erreicht (zum Beispiel im Fjallabak). Viele Besucher beschränken sich daher darauf, die Insel entlang der Ringstrasse zu erkunden, abgesehen vielleicht von einigen Abstechern im Südwesten. Doch auch diese Umrundung der Insel kann in Stress ausarten, wenn man zu wenig Zeit dafür einplant. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich nicht mehr als eine Woche dafür gönnen.

Blick von der Klettsvík zum Snæfellsjökull
Blick von der Klettsvík zum Snæfellsjökull
Schafe weiden bei Bjarnahöfn
Schafe weiden bei Bjarnahöfn

Dabei gibt es eine Region in Island, von der man sagt, dass sie ein bisschen ein „Island en miniature“ ist: Die Snæfellsnes-Halbinsel. Auch wenn ich nicht abschliessend beurteilen kann, ob dieses Prädikat wirklich zutrifft, so kann ich doch sagen, dass sich auf dieser im Westen des Landes weit in den Atlantik hinausragenden Halbinsel sehr vieles bewundern lässt, was den Reiz Islands ausmacht. Klar, die berühmte Gletscherlagune Jökulsárlón mit ihren Eisbergen hat man dann nicht gesehen – aber sonst kann ich mir effektiv nicht vieles vorstellen, was einem noch fehlt und was man innerhalb einer Woche wirklich in Ruhe entdecken kann.

Isländische Ikone: der Kirkjufell
Isländische Ikone: der Kirkjufell
Moorlandschaft bei Grundarfjörður
Moorlandschaft bei Grundarfjörður
Steilküste westlich von Ólafsvík
Steilküste westlich von Ólafsvík

Ich habe die Halbinsel schon zwei Mal bereist, und beides Mal hatte ich ziemlich Glück mit dem Wetter. Insbesondere auf der letzten Reise hat sich diese wundervolle Ecke Islands von ihrer Schokoladenseite gezeigt. Es ist nicht alle Tage der Fall, dass man den Vulkan Snæfellsjökull, der die Halbinsel im Westen abschliesst und der Jules Verne als Inspiration für die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gedient hat, derart wolkenlos bewundern kann. Ein besonders schönes Beispiel findet ihr im traumhaften Bild oben nach dem ersten Abschnitt.

Landschaft im Naturschutzgebiet am Vulkan
Landschaft im Naturschutzgebiet am Vulkan
Unwirkliche Abendstimmung westlich von Ólafsvík
Unwirkliche Abendstimmung westlich von Ólafsvík

Dann gibt es da zum Beispiel das Lavafeld Berserkjahraun, eine schöne, bizarre vulkanische Landschaft mit zwei märchenhaften Seen, die heute unter Naturschutz steht und die exemplarisch ist für Island. Nicht weit davon entfernt wacht der ikonische Berg Kirkjufell über die nördliche Küste der Halbinsel – ein Gipfel, den wohl jeder Islandliebhaber kennt, da er so viele Male schon abgelichtet worden ist. Seine Magie ist dennoch ungebrochen… Neben einigen kleineren Städten ist die Nordseite von Snæfellsnes geprägt von schroffen Bergen und saftigen Wiesen, auf denen Schafe friedlich weiden.

Am magischen Strand von Djupalónsandur
Am magischen Strand von Djupalónsandur
Die Felsnadeln von Lóndrangar
Die Felsnadeln von Lóndrangar
Pferde haben auf Snæfellsnes praktisch unbegrenzt Auslauf
Pferde haben auf Snæfellsnes praktisch unbegrenzt Auslauf

Ganz anders die Küste rund um den Snæfellsjökul und im Süden der Halbinsel. Abgesehen von den Kleinst-Nestern Hellnar und Arnarstapi sucht man hier vergebens nach menschlicher Zivilisation. Einige verstreute Höfe lassen sich allenfalls noch aufspüren. Dafür gibt es hier zuhauf bizarre, felsige Küstenabschnitte – wie z. B. die Lóndrangar oder die Bucht Djupalónsandur, der ich auch schon einen eigenen Artikel gewidmet habe, ausgedehnte Weiden mit freilaufenden Pferden und sogar feine, oft von Brocken aus Lavafels durchsetzte Sandstrände wie bei der Kirche von Buðir.

Die Holzkirche von Buðir...
Die Holzkirche von Buðir…
...und der direkt daneben liegende Sandstrand
…und der direkt daneben liegende Sandstrand

Snæfellsnes trägt den Übernamen „Island en miniature“ also nicht zu Unrecht. Ich kann einen Abstecher auf diese vielfältige Halbinsel nur empfehlen – auch den Reisenden, die mehr als nur eine Woche zur Verfügung haben 😉 …

Archaische Landschaft bei Miklaholt
Archaische Landschaft bei Miklaholt

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.