Am Schluss von Teil 1 dieser Artikelserie habe ich angekündigt, dass ich meine neue Fotoausrüstung in den Ferien ausgiebig testen werde. Das habe ich nun getan. Die Lumix GX7 inklusive Objektiv und Zubehör haben mich letzte Woche auf einer kurzen Rundreise durch Südfrankreich und Norditalien begleitet.

Dimensionen

Die beiden Fotoausrüstungen im Grössenvergleich
Die beiden Fotoausrüstungen im Grössenvergleich

Zuerst möchte ich nochmals auf das Thema Gewicht und Grösse zu sprechen kommen, das ich ja schon im letzten Artikel angesprochen hatte. Es sei hier nochmals deutlich gesagt: Es ist wirklich eine Freude, den ganzen Urlaub lang mit kaum merklichem Gewicht am Rücken unterwegs zu sein und trotzdem praktisch keine fotografischen Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen! Insbesondere auf meiner Wanderung zum Pic du Cap Roux unter der Sonne des Südens durfte ich für diesen Umstand dankbar sein 🙂 Zurück zu Hause habe ich mir einmal die Mühe genommen, die bisherige und die neue Ausrüstung einander gegenüberzustellen. Was die Grössenverhältnisse betrifft, werden diese durch das obenstehende Foto illustriert. Alle Teile der beiden Ausrüstungen sind äquivalent, was deren Funktionalität und Brennweiten betrifft. Das Telezoom der Lumix verfügt im Gegensatz zu dem der Pentax sogar noch über eine Bildstabilisierung. Vom Gewicht her sieht es wie folgt aus: Pentax total 3209 Gramm, Panasonic total 1318 Gramm. Das ist ein klar spürbarer Unterschied! Tiefes Gewicht und geringe Abmessungen haben aber auch ihre Nachteile, die ich nicht verschweigen möchte.

Bei diesem Bild war wegen des starken Windes erheblicher Nachbearbeitungsaufwand nötig
Bei diesem Bild war wegen des starken Windes erheblicher Nachbearbeitungsaufwand nötig, um die Schärfe zu retten – Pier in Varigotti, Ligurien

In Ligurien geriet ich in eine Situation, wo sich die Szene für Langzeitbelichtungen anbot, ich aber gerade kein Stativ dabei hatte. Nun, man weiss sich ja zu helfen – zum Glück fand sich an dieser Stelle ein steinerner Pier mit stabilen, ebenen Mauern. Solche Mauern, Pfosten etc. sind normalerweise gut als Stativ-Ersatz geeignet. Im vorliegenden Fall und mit der leichten Kamera stellte sich allerdings der zeitweise recht starke Wind als Problem heraus, der für geringe, aber merkliche Vibration des Kamerabodys sorgte. Eine schwere DSLR lässt sich hier nicht so schnell aus dem Konzept bringen…

Ausblick vom Esterel-Massiv aufs Meer
Ausblick vom Esterel-Massiv aufs Meer – mit dem 7-14mm-Objektiv fotografiert

Auch die geringen Abmessungen haben ihren Preis. Die Akkus von Systemkameras sind deutlich kleiner gebaut und weisen damit auch eine geringere Kapazität auf. Ich fotografiere mit einem voll geladenen Pentax-Akku deutlich länger als mit dem Panasonic-Pendant. Darauf kann man sich allerdings einstellen.

Was ich ausserdem ebenfalls letztes Mal schon angesprochen habe: Der kleine MFT-Sensor bedingt im Weitwinkel-Bereich extrem kurze Brennweiten. Mein WW-Zoom kann ich (wie wahrscheinlich andere auch) bauartbedingt nicht mit einem Filter bestücken. Das Bild rechts zeigt eine Szene, in der ich den Polfilter schmerzlich vermisst habe – die Farben kommen nicht so knackig wie bei anderen Fotos von dieser Wanderung… Dies ist allerdings kein generelles Argument gegen Systemkameras. Es gibt ja auch solche mit APS-C- oder sogar Vollformat-Sensoren. Dort gibt es dieses Problem mit dem Ultra-Weitwinkel nicht.

Kirche von St-Jean-Cap-Ferrat
Hier geht es hingegen gut ohne Polfilter – Kirche von St-Jean-Cap-Ferrat

Sucher

Ein wichtiges Thema bei den Systemkameras ist natürlich der Sucher. Gerade als Pentax-Fotograf ist man von den hellen, klaren, grossen Pentaprismen-Suchern verwöhnt. Dieser fällt bei Systemkameras weg und wird entweder durch einen Messucher (mir persönlich nicht so sympathisch) oder durch einen elektronischen Sucher (EVF) ersetzt. Der EVF der Lumix GX7 wird auf allen mir bekannten relevanten Testseiten durchs Band gelobt. Er löst in der Tat sehr fein auf, so dass bei der Bildkomposition keine Nachteile entstehen. Aber ganz abgesehen davon, dass die Farbabstimmung nicht ganz exakt ist, hält auch dieser gute EVF keinem Vergleich mit einem klassischen Pentaprismen-Sucher stand (schon gar nicht den herausragenden Suchern an Pentax-SLRs)! Ausserdem erkenne ich die Wirkung des Polfilters nicht ganz einwandfrei, und das Sucherbild passt seine Helligkeit bei der Ausschnittsuche laufend an, was ich auch als eher ungünstig empfinde. Grosser Vorteil des EVF ist, dass er 1:1 den Inhalt des Displays wiedergibt – man hat also die gleichen Informationen z.B. zu den Aufnahmeparametern zur Verfügung, und man kann auch die geschossenen Fotos im EVF betrachten – bei starkem Sonnenlicht ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Fokusgeschwindigkeit

Gänsegeier im Flug über der Verdon-Schlucht
Ein Gänsegeier im Flug über der Verdon-Schlucht

Bei frühen Systemkameras war wie bei den Kompaktkameras auch die Geschwindigkeit des Autofokus ein Thema. Der Phasen-Autofokus hatte Mühe, mit den Kontrast-Autofokus-Systemen der DSLRs mitzuhalten. Heute ist das definitiv kein Thema mehr. Beispielsweise konnte ich in der Verdon-Schlucht Gänsegeier beobachten und versuchte die über mir kreisenden Tiere im Flug zu fotografieren – eine Herausforderung für ein Autofokus-System im Nachführmodus. Meine Lumix meisterte diese Situation aber bravourös. Da hatte ich in vergleichbaren Situationen mit meiner Pentax schon mehr Mühe. Und nicht alle Vögel fliegen so gemächlich vorbei wie die Australischen Tölpel am Muriwai Beach… Dass das Beispielbild links trotzdem nicht so der Burner ist, liegt an anderen Fehlern, die ich gemacht habe 🙂

Bildqualität

Gerade nach einer Ferienreise ist es ärgerlich, wenn man zu Hause feststellen muss, dass einige der nicht so ohne weiteres wiederholbaren Fotos unter bescheidener Qualität leiden. In Bezug auf die Bildqualität bin ich nach wie vor überzeugt, keine Abstriche machen zu müssen. Das letzte Bild unten zeigt, dass auch mit dem kleineren Sensor heutzutage ausgewogene, detailreiche, rauscharme Fotos entstehen, sogar bei Langzeitbelichtungen… (Ja, ich weiss, um das zu beurteilen, müsste man das Originalbild sehen – aber glaubt mir, ich bin zufrieden 🙂 …)

Zum Schluss noch ein Hinweis: Via Twitter habe ich heute festgestellt, dass die Frage DSLR versus Systemkamera auch andere Fotografen beschäftigt. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf einen interessanten Artikel zu diesem Thema mit Fokus auf die Reisekamera-Wahl auf Boris Baldingers Blog aufmerksam machen.

Die Punta Crena in Varigotti, Ligurien
Die Punta Crena in Varigotti, Ligurien

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.