Wenn ich in den letzten paar Wochen auf den sozialen Medien unterwegs war, habe ich vor allem eines gesehen: Fotos von strahlend gelben Lärchen, vornehmlich aus dem Engadin, aber auch aus dem Wallis. In den letzten Jahren hat sich für mein Empfinden der Trend verstärkt, dass alle Fotografen im Herbst ins Engadin rennen und das Netz anschliessend mit Lärchenfotos geflutet wird. Ich verstehe das sogar sehr gut. Das Engadin war über viele Jahre eine Art zweite Heimat für mich, und das Schauspiel der Natur dort, vor allem im Herbst, ist zweifellos einzigartig. Wir dürfen einfach nicht vergessen, dass der Herbst auch andernorts mit einer Schönheit glänzt, die sich hinter den gelb-weissen Bergen nicht zu verstecken braucht 🙂 …


Dies wurde mir gerade letzthin wieder klar, einerseits bei der kurzen Tour in die Rheinauen bei Rietheim Ende Oktober, besonders aber als ich anfangs November spontan einen Tag frei nahm, um am Ufer des Neuenburgersees fotografieren zu gehen. Ich hatte dabei das Glück, dass ich einen wunderbaren Vormittag erwischte, auch wenn es zunächst gar nicht danach aussah – doch dazu gleich mehr. Auf dieser Tour entstanden sogar so viele Fotos, dass ich Material für zwei Beiträge habe 😉 …


Wie meistens bei solchen Touren nahm ich in Aarau einen frühen Zug, so dass ich gerade um die Zeit des Sonnenaufgangs in Neuchâtel an der Place Pury eintraf – allerdings bei entgegen der Wetterprognose recht stark bedecktem Himmel. Die Idee war, dort auf das Littorail-Bähnchen zu gehen und direkt nach Auvernier zu fahren, um einen Spaziergang zu wiederholen, den ich bereits während unserer Home-Office-Woche in Neuchâtel im Juni unternommen hatte. Kaum hatte die Bahn aber den Startbahnhof verlassen, brach die Sonne durch die Wolkendecke und tauchte das Seeufer in ein wunderschönes Licht. Darum änderte ich sofort den Plan, stieg in Champ-Bougin wieder aus dem Zug aus und spazierte zurück in Richtung Neuchâtel zur schönen Plage Port Roulant.


Die zwanzig Minuten bis zum nächsten Zug reichten mir gerade, um ein paar Fotos zu schiessen, bevor sich die nächste Wolke vor die Morgensonne schob. Zurück an der Haltestelle zeichnete sich dann zum ersten Mal ab, dass es nicht nur ein wunderschöner Tag, sondern auch ein Tag der Widerstände werden würde. Ich vergass nämlich, dass es sich bei Champ-Bougin um einen „arrêt sur demande“ handelte und drückte daher nicht auf den entsprechenden Knopf. Das Resultat: Die Bahn rauschte ungebremst an mir vorbei 🙂 …
Da ich nicht weitere zwanzig Minuten warten wollte, entschied ich mich, dem See entlang zur nächsten Haltestelle Port-de-Serrières zu spazieren und den Rest der Reise dort anzutreten. Auf dem Weg spürte ich plötzlich einige Regentropfen. Ein Blick hinauf zu den Jurahöhen offenbarte einzelne recht dunkle Wolken. Und ich, blindlings der Wetterprognose vertrauend, hatte weder eine Regenjacke mit Kapuze noch einen Regenschirm dabei. Beim Hafen von Serrières angekommen, verbesserte sich die Situation allerdings wieder etwas, und ich setzte die Fahrt wie vorgesehen bis nach Auvernier fort.


Der letzte Abschnitt des Spaziergangs führte mich, wie damals im Juni, von der Haltestelle Auvernier über den Hafen und dem Seeufer entlang bis zur Paradis-Plage (der Name ist Programm!), einem schönen Strand mit dicht bewachsenem Teich beim Campingplatz von Colombier. Dort vertrat ich mir den linken Fuss derart heftig, dass ich auf den nassen Boden stürzte, mich dabei an Fussgelenk, Händen und Ellbogen verletzte und meine schöne neue norwegische Outdoor-Jacke verschmutzte. Dass es genau in diesem Moment wieder zu tropfen begann, gab mir den Rest, und ich beschloss, von Colombier direkt wieder nach Aarau zu fahren und mich unterwegs irgendwo mit Schnitzel und Pommes Frites zu entschädigen 🙂 …

Doch es kam nicht soweit. Der zweite Teil des Vormittags ist wie gesagt Stoff für einen zweiten Beitrag. Nur soviel sei verraten: Meine Wut war von kurzer Dauer, und gewisse Ausblicke und Lichtstimmungen auf der Heimfahrt bewegten mich kurz danach zur Umkehr…



