Ich würde nicht gerade von Panik sprechen 🙂 aber ziemlich unruhig werde ich schon, wenn der Herbst sich in voller Pracht zeigt und es die ganze Zeit nur regnet und regnet – so wie in den beiden letzten Wochen dieses Oktobers. Dass sich dann zu allem auch noch ein kräftiges Sturmtief ankündigte und ich befürchten musste, dass das Laub schon bald am Boden liegen würde, machte die Sache natürlich nicht besser. So tat ich, was ich tun musste: Kaum klarte der Himmel an einem Freitagnachmittag ein wenig auf, beendete ich die Arbeit im Home Office und stieg mit Kamera bewaffnet in den nächsten Zug.
Ich besuchte einen Ort, der erst dieses Jahr – zufälligerweise auf der Durchfahrt vom Schwarzwald her – in mein Bewusstsein gerückt war: die Aue Chly Rhy in Rietheim. Der Bahnhof dieser zu Bad Zurzach gehörenden Ortschaft ist von uns zu Hause in gut dreiviertel Stunden mit dem öV erreichbar – perfekt also für einen Kurztrip. Wie immer hatte ich mich im Vorfeld schon auf der Karte schlau gemacht, welche Spots sich fotografisch lohnen könnten. Wie genau es aussieht, erfährt man aber dann doch meistens erst vor Ort, und ich muss sagen, ich war positiv überrascht.


Nach zehn Minuten Fussmarsch ab der Bahnstation erreichte ich einen kleinen Parkplatz am Rande des Naturschutzgebiets, das als Auenlandschaft von nationaler Bedeutung gilt. Hier ist eine Infotafel mit den Spazierwegen und den wichtigsten „Sehenswürdigkeiten“ platziert. Auf dieser Tafel entdeckte ich ganz vorne am Rheinufer eine Feuerstelle, die ich mir einmal ansehen wollte. Der Weg führte mich zunächst dem Ufer des Chly Rhy entlang, dem kleinen Bruder des „grossen“ Rheins, der etwas weiter vorne behäbig dahinfliesst. Es gibt auch einen ehemaligen Bunker am Weg, auf dem eine kleine Aussichtsplattform gebaut wurde. Sowohl vom Ufer als auch von der Terrasse aus ergeben sich wunderschöne Blicke auf die Naturlandschaft an diesem ehemaligen Rheinarm.


Völlig überrascht war ich aber von dem kleinen Kiesstrand mit der Feuerstelle an dem Ort, wo die beiden ungleichen Brüder zusammenfliessen. Ich glaube, ich habe noch selten einen so schönen Ort an einer Flussaue in der Schweiz gesehen. Breit und gemächlich fliesst der Rhein dahin, gesäumt von (um diese Jahreszeit) farbigen Auenwäldern, und Richtung flussaufwärts präsentiert sich eine wunderschöne Naturlandschaft, geprägt vom Wechselspiel zwischen Festland und Insel, im Wind sich biegendem Schilf, über den Fluss schwimmenden Wasservögeln und Totholz-Bäumen, auf denen sich Kormorane sonnen. Der Wechsel zwischen Licht und Schatten, hervorgerufen durch die sich immer mehr öffnende Wolkendecke, und der teilweise böige Wind trugen das ihre zu der magischen Stimmung bei.


Nachdem ich ein wenig an diesem Ort verweilt war, kehrte ich zurück zum Ausgangspunkt und spazierte noch ein Stück dem Chly Rhy entlang und zum Aussichtsturm an einem kleinen See. Dem grossen und kleinen Rhein entlang fand ich noch zahlreiche schöne Szenen, den See hingegen fand ich landschaftlich nicht so prickelnd – zumal er rundherum eingezäunt ist. Für Vogelbeobachtungen hingegen ist dieser Ort sicher prädestiniert – da müsste man allerdings zu einer anderen Tageszeit, mit etwas mehr Geduld (und auch mit einem anderen Objektiv 😉 …) vorbeikommen.

Alles in allem handelt es sich bei der Aue Chly Rhy um eine sehr lohnenswerte Neuentdeckung, und ich kann mir gut vorstellen, in näherer Zukunft einmal ein Picknick an der schönen Feuerstelle am Rhein abzuhalten. Ohnehin habe ich mir vorgenommen, mich in der nächsten Zeit fotografisch auch ein bisschen mehr dem Rhein zu widmen, dem grössten Fluss im Aargau, der gegenüber der Aare in den letzten Jahren ziemlich ins Hintertreffen geraten ist…




