Im Rahmen unserer Malta-Reise von Anfang Juni haben wir einige Orte entdeckt, die unsere Herzen im Sturm erobert haben – wie z.B. die Three Cities. In einem Städtchen aber hatten wir beide sogar den Eindruck, es handle sich um einen Ort von überirdischer Schönheit. Die Rede ist vom komplett befestigten Städtchen Mdina im Zentrum der Hauptinsel. Auch dieses Kleinod hatte ich schon vor vielen Jahren auf meiner ersten Reise besucht, aber meiner damaligen Haltung entsprechend – siehe dazu den Beitrag über die Three Cities – nicht richtig wahrgenommen. Umso mehr überraschte mich das Städtchen dieses Mal.


Aber gehen wir doch in chronologischer Reihenfolge vor. Wir bestellten gleich für nach dem Frühstück ein Taxi, das uns zum Startpunkt des Ausflugs an den Dingli Cliffs brachte. Diese eindrückliche Steilküste gehört meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm eines Malta-Besuchs, es ist ein sehr schönes Naturspektakel mit dem freien Blick von oberhalb der Felsen auf das offene Mittelmeer – und wie immer hatten wir den Ort zu dieser frühen Stunde noch fast für uns allein. Wir spazierten ein Stück den Klippen entlang und dann zurück nach Dingli, wo wir einen Bus nach Mdina bestiegen.


Dies war unser erster Besuch in Mdina, und schon kurz nach dem Durchschreiten des Stadttores wussten wir, dass es nicht der letzte sein würde. Nach einen leichten Mittagessen noch ausserhalb der Stadtmauern unternahmen wir einen ausführlichen Streifzug durch das mittelalterliche Zentrum, das um diese Tageszeit natürlich schon ziemlich voll war. Trotzdem waren wir verzaubert von der Schönheit dieser Stadt mit den hellen Sandstein-Fassaden, den engen Gassen, den schmucken Plätzen, den herzigen Handwerks-Shops und den mächtigen Festungsmauern. Wir nahmen uns vor, einmal am frühen Morgen hierherzukommen, um diese Magie auch einmal noch in Ruhe und bei wärmerem Licht geniessen zu können.


Einige der Fotos in diesem Beitrag stammen von diesem zweiten Besuch zwei Tage später. In der Tat konnten wir wenigstens für eine Stunde die Altstadt fast ohne Menschen durchstreifen. Im Anschluss, als dann bereits die ersten Gruppen von Mdina Besitz nahmen, gönnten wir uns eine Lesestunde im Fontanella Tea Garden. Dieses Tea-Room wird in allen Reiseführern erwähnt und über alle Massen gelobt, meistens wegen der schönen Aussicht über weite Teile der Insel, die auch tatsächlich gegeben ist. Wir waren allerdings ziemlich enttäuscht von dieser Lokalität. Der Service ist unprofessionell und miserabel (wie an vielen Orten, wo die Touristen sowieso kommen), und als Begleitung zum Kaffee oder Tee gibt es ausschliesslich völlig übersüsste Patisserie. Von mir aus gesehen kann auf diesen Besuch getrost verzichtet werden.


Nach einem sehr guten Mittagessen in der Trattoria AD 1530 erwartete uns eine nächste Überraschung. Wir wollten noch nicht sofort zurück ins Hotel, und so entschieden wir uns, noch einen Verdauungsspaziergang durch Rabat zu unternehmen. Dieses Städtchen liegt direkt ausserhalb der Mauern von Mdina, und es war eigentlich gar nicht in unseren Reiseplänen enthalten. Aber wir hätten definitiv etwas verpasst, wenn wir es sprichwörtlich links liegen gelassen hätten.


Wir nahmen zunächst den Weg durch die einladende Triq San Pawl, die zu beiden Seiten von den typisch maltesischen Hausfassaden mit ihren kleinen Erkern gesäumt ist, und stellten bald einmal fest, dass es hier wesentlich ruhiger ist als im wenige Meter entfernten Mdina. Trotzdem ist auch das Stadtbild von Rabat geprägt von vielen hübschen Gassen, die teilweise sogar recht schön mit religiösen Symbolen geschmückt sind, und grosszügigen, von historischen Gebäuden umgebenen Plätzen. Am besten gefiel mir die Kollegiatskirche San Pawl mit ihrem parkähnlichen Vorplatz entlang der Promenade Ir-Repubblika und der mächtigen Statue des heiligen Paulus.

So durften wir an diesen beiden Tagen innerhalb weniger hundert Meter zahlreiche sehenswerte Entdeckungen machen, die uns einmal mehr bestätigten, dass Malta einen grossen auch kulturellen Reichtum aufweist und Gelegenheiten zum Staunen, Flanieren und Geniessen en masse bietet. Falls wir wieder einmal nach Malta kommen würden, wäre ein Besuch in Mdina mit Sicherheit ein Muss – am frühen Morgen natürlich 😉 …



