Ich finde, es ist schon ein Privileg, an einem Gewässer zu wohnen – in meinem Fall an der Aare. Dieser Fluss bietet so viele wunderschöne Natur- und Kulturlandschaften, und ich halte mich wirklich gerne am seinem Ufer auf. Meistens einfach so, um ein bisschen zu spazieren und durchzuatmen. Manchmal aber auch um zu fotografieren – Motive gibt es zuhauf, und sie Wandeln sich im Laufe der Jahreszeiten immer wieder. Der grösste Vorteil der Nähe ist, aus der Sicht des Fotografen beurteilt, dass man jederzeit losziehen kann, wenn die Bedingungen gerade stimmen.


So geschehen auch wieder einmal vor Kurzem, als ich an einem schönen Abend anfangs Juli Lust bekam, nach der Arbeit nach draussen zu gehen und nebenher ein paar neue Bilder aus der Umgebung zu schiessen. Auf der Suche nach einer geeigneten Location fiel mir ein, dass ich kurz nach dem Kauf meiner aktuellen Systemkamera in der Nähe von Rupperswil auf Fotopirsch gegangen war, um das neue Spielzeug 🙂 auszuprobieren. Damals war ich recht enttäuscht gewesen von diesem Abschnitt am Fluss, das ging sogar soweit, dass ich ihn als hässlich und unattraktiv in Erinnerung hatte und mir damals eigentlich vorgenommen hatte, nicht mehr hierher zu kommen. Trotzdem dachte ich mir: Damals war Winter, es lag kein Schnee und die Aare führte wenig Wasser. Vielleicht treffe ich ja jetzt eine ganz andere Landschaft an?

Und so war es dann auch. Ich parkierte auch dieses Mal bei der Aarebrücke in der Nähe des Kraftwerks und machte mich zu Fuss auf den Weg durch den Wald flussabwärts. An vielen Stellen waren die Bedingungen auch an diesem Sommerabend nicht optimal, fand sich doch vor Ort eine riesige Baustelle, die den Wald und das Ufer über mehrere Kilometer beeinträchtigte. Wie ich bei der Rückkehr zum Parkplatz anhand eines Plakats dann erfuhr, wird das Auenschutzgebiet durch den Kraftwerkseigentümer, die SBB, zurzeit aufgewertet, was ja grundsätzlich eine gute Sache ist. Aber ich konnte dadurch natürlich nicht an allen Stellen so fotografieren, wie ich es mir vorstellte.

Dafür machte ich an diesem Abend eine überraschende Entdeckung (wie so oft an diesem Fluss 🙂 …). Als ich mich nach ausgedehntem Spaziergang mit wenig neuen Fotos schon wieder auf dem Heimweg machen wollte, entdeckte ich eine Spaziergängerin, die über ein Stück am Boden liegendes Geäst kletterte, das den Zugang zu einem schmalen Weg versteckte. Natürlich liess ich es mir nicht nehmen, diesen Weg auch gleich auszuprobieren, und siehe da, er führte zu einem wunderschönen kleinen Strand. Hier präsentierte sich das Aareufer beinahe unberührt und vor allem unbeeiträchtigt von der nahen Baustelle. Dank dem warmen Abendlicht kam ich doch noch zu ein paar schönen Bildern – und vor allem zu einem Moment der Ruhe und des Durchatmens, wie gewünscht…


