Für uns engagierte Fotografen, die sowieso immer eine (brauchbare) Kamera dabei haben 🙂 ergeben sich manchmal by the way Gelegenheiten für gute Fotos – sei es auf Reisen, Ausflügen oder sogar auf dem Arbeitsweg. Meistens aber ist es doch so, dass wir unsere Fototuren planen. Wir haben eine bestimmte Vorstellung von etwas, das wir fotografieren wollen, oder zumindest von einer Location, mit der wir uns fotografisch beschäftigen wollen, und gehen dann gezielt auf die Pirsch. Ich möchte in diesem Artikel aufzeigen, wie ich persönlich beim Planen vorgehe und was es aus meiner Sicht zu beachten gilt – am Beispiel einer kürzlich duchgeführten städtischen Fototour.

Das Motiv

Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass von Anfang an immer das Motiv oder die Location im Zentrum der Überlegungen steht. Vielleicht habe ich das Objekt irgendwo unterwegs per Zufall einmal gesehen, ein Bild davon entdeckt oder irgendetwas darüber gehört. Meistens lohnt es sich dann, sich vorab schon aus der Ferne ein etwas präziseres Bild vom Ziel zu machen. Die wichtigsten Hilfsmittel sind für mich dabei Anwendungen wie Google Streetview oder die Google-Bildersuche, aber auch Fotos, die andere an diesem Ort schon gemacht haben, z.B. aus der fotocommunity.de oder aus anderen durchsuchbaren Fotoportalen.

Die Topografie

Kartenausschnitt
Ein Ausschnitt aus der Landeskarte vom Geoportal des Bundes

Damit ich mir eine möglichst vollständige Vorstellung der Verhältnisse vor Ort machen kann, ist für mich der Blick auf eine lokale Karte unverzichtbar. Google Maps oder OSM helfen dabei meiner Meinung nach nicht immer sehr viel, da der Informationsgehalt dort sehr beschränkt ist. Höhenangaben sowie Informationen zu Gelände und Vegetation beispielsweise fehlen in diesen Karten weitgehend. Gerade wenn man im Ausland unterwegs ist, hat man aber oft keine andere Wahl. In der Schweiz ist die erste Anlaufstelle das Geoportal der Bundesverwaltung (map.geo.admin.ch): Dort lässt sich für jeden Ort in der Schweiz eine präzise Karte in verschiedenen Massstäben laden, mit verschiedenen Layern (z.B. Wanderwegen) ergänzen und auf A4 ausdrucken. Im Beispiel wollte ich mit einem Kollegen aus dem AARSO Fotoklub das Autobahndreieck Zürich Süd beim Eindunkeln fotografieren. Anhand der Karte konnte ich mir überlegen, wo wir einen erhöhten Standort mit gutem Blick auf das Dreieck finden, wie wir diesen zu Fuss erreichen würden und von welcher Bahnstation aus.

Der ausgedruckte Kartenausschnitt kommt in einer wasserfesten Hülle natürlich mit auf die Tour. Selbstverständlich ist auch im elektronischen Zeitalter eine gedruckte Karte auf möglichst reiss- und wasserfestem Papier immer eine gute Lösung. Die Karten der Schweizerischen Landestopografie sind von der Präzision und Qualität her weltweit unerreicht. Aber mittlerweile gibt es auch in vielen anderen Ländern oder von ausländischen Kartenverlagen (z.B. im Kompass-Verlag) sehr gutes Kartenmaterial, das einem Ausschnitt aus Google Maps o.ä. auf jeden Fall vorzuziehen ist. Besonders bei Outdoor-Touren gibt es zu präzisen Papier-Karten gar keine Alternative – abgesehen von mobilen Karten-Apps, die aber nichts anderes machen als diese Papierkarten auf das mobile Gerät zu portieren. Bei städtischen Touren hingegen bietet Google Streetview genügend Informationen, um sich vorab eine Vorstellung des Fotoreviers machen zu können (vor Ort dann ist ein gedruckter Stadtplan sicher wieder die bessere Wahl).

Das Wetter und das Licht

Lokalprognose auf der Website von SRF Meteo
Lokalprognose auf der Website von SRF Meteo

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Vorbereitung ist natürlich das Wetter. Dieses lässt sich auch mit den heutigen Methoden nicht immer so präzise vorhersagen, wie wir es uns einbilden oder erhoffen 🙂 … Viele Wetterdienste bieten die Möglichkeit, Lokalprognosen für die nächsten ein, zwei Tage abzurufen. So z.B. auch derjenige von SRF Meteo. Dort werden in Intervallen von drei Stunden Bewölkung und Niederschlag, Niederschlagswahrscheinlichkeit und-menge sowie die Windrichtung und -stärke vorausgesagt. Bei urbanen Touren wie hier beim Autobahndreieck benötige ich diese Information, um abschätzen zu können, ob ich wasserdichte Ausrüstung mitnehmen muss (oder evtl. gar nicht gehen soll) und was für Licht mich erwartet. Mit der obigen Prognose konnten wir uns auf eine graue statt blaue Stunde einstellen 🙂 Wenn man hingegen im Gebirge unterwegs ist, ist die Wetterprognose auch ein Sicherheitselement. Bei schlechtem Wetter im Gebirge unterwegs zu sein, ist eine besondere Herausforderung und kann je nach Situation sogar gefährlich werden!

Animiertes Niederschlagsbild von SRF Meteo
Animiertes Niederschlagsbild von SRF Meteo

Übrigens: Wenn ich bei unsicherer Prognose kurz vor der Abfahrt nochmals überprüfen will, wie sich das Wetter in der letzten Stunde am Zielort entwickelt hat, konsultiere ich das Niederschlagsbild, ebenfalls auf SRF Meteo. Diese Radaraufnahme zeigt sehr zuverlässig, wo es zur Zeit gerade regnet und wie stark, und auch, in welche Richtung sich die Niederschlagzonen bewegen.

In Bezug auf das Licht ist neben dem Wetter auch noch die Information über den Sonnenstand (oder sogar den Mondstand) wichtig. Viele Seiten im Internet stellen Rechner zur Verfügung, mit denen man Sonnenauf- und untergang für fast jeden beliebigen Ort auf der Welt berechnen kann. Beispiele sind www.sonnenaufgang-sonnenuntergang.de oder www.web-calendar.org (Bild unten). Auch mobile Apps wie z.B. Sun Surveyor erfüllen diese Aufgabe. Letzterer gibt sogar Informationen zum Einfallswinkel der Sonne – wobei diese nur etwas nützen, wenn man mit den Verhältnissen vor Ort schon vertraut ist. Denn sonst steht der Sonne plötzlich ein grosses Haus oder ein Berg im Weg…

Sonnenkalender auf web-calendar.org
Sonnenkalender auf web-calendar.org

Die Ausrüstung

So, kommen wir zum letzten und leidigsten Thema 🙂 … Wie oft schon bin ich dann nach ausführlicher Planung und Vorbereitung vor dem Motiv gestanden – und habe dann unter leisem Fluchen festellen müssen, dass der dringend benötigte Graufilter zu Hause in der Schublade liegen geblieben ist oder die Schnellwechselplatte zur Befestigung der Kamera am Stativ nicht auffindbar ist!

Lesern dieses Blogs brauche ich nicht zu erklären, in welcher Fotosituation welche Ausrüstung gebraucht wird. Es geht mehr um die Dinge, die gerne zu Hause bleiben, weil sie einfach zu klein sind: Fernauslöser, Filter, Ersatzakku, Linsenreiniger, Speicherkarten etc. Oder auch rein praktische Dinge wie Sonnenbrille, Sonnencrème, Taschenlampe, angepasste Kleidung und Schuhwerk… Auch Verpflegung in Form von kleinen Snacks und genug zu trinken gehören immer in die Ausrüstung – ein Punkt, der gerne vernachlässigt wird. Insbesondere in den Bergen ist die Verpflegung wichtig – auch gute Fotos sind nicht den Preis der Erschöpfung und Dehydrierung wert!

Das Resultat

Mein Kollege und ich kamen dank guter Vorausplanung zu einigen Fotos vom Autobahndreieck Zürich Süd. Allerdings nicht ganz zu denen, die wir uns vorgestellt hatten. Und hier zeigen sich die Grenzen jeder Vorausplanung: Es gibt immer Faktoren, die nicht vorausgesehen werden können. Zwar konnte ich anhand der Karte freistehende, leicht erhöhte Plätze in der Nähe des Dreiecks ausfindig machen. Dort angekommen, mussten wir aber feststellen, dass hohe Baumhecken und Sicherungszäune an den meisten Orten den freien Blick verstellen. Es gab genau einen Ort, der den Blick auf die Autobahn frei liess – aber nur auf einen Ausschnitt des Dreiecks…

Autobahndreieck Zürich Süd
Blick vom Fuss des Üetlibergs auf das Autobahndreieck Zürich Süd

Die Alternativen

Wenn es soweit kommt, dass trotz sorgfältiger Planung die eigentlichen Foto-Ideen nicht gut umgesetzt werden können, ist man gut beraten, wenn man sich im Voraus schon Gedanken über mögliche Alternativen gemacht hat – auch dies gehört meiner Meinung nach mit zur Planung. In unserem Fall war das konkret ein Besuch in der Sihlcity, die ohnehin direkt an unserer Bahnlinie vom Hauptbahnhof Zürich nach Leimbach gelegen ist. Dort konnten wir uns dann doch noch ein bisschen austoben 🙂 …

Sihlcity
Das Alternativprogramm: Sihlcity
Deckenbeleuchtung
Deckenbeleuchtung bei der Bahnstation Sihlcity

Das wäre einmal das Wichtigste. In einem künftigen Artikel möchte ich mich dann noch etwas ausführlicher den spezifischen Aspekten einer Outdoor-Tour im Gebirge widmen. Vorerst aber interessiert mich einmal eure Meinung. Habe ich etwas wichtiges vergessen? Wie geht ihr bei der Planung eurer Fototouren vor?

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