Im letzten Beitrag der Serie über unsere Südafrika-Reise stelle ich einen besonders eindrücklichen Ort vor: Robben Island. Diese flache Insel in der Table Bay beherbergte das berüchtigte Gefängnis des Apartheid-Regimes, in dem Nelson Mandela zwei Jahrzehnte seiner langen Haftstrafe als politischer Gefangener absass. In den Neunzigerjahren wurde das Gefängnis geschlossen, die Insel in ein nationales Denkmal und das Gefängnis in ein Museum umgewandelt. Wir hatten das Glück, Robben Island einen Besuch abstatten zu können – Glück darum, weil die Überfahrten und Führungen offenbar oftmals kurzfristig wegen schwerem Seegang oder schlechtem Wetter abgesagt werden.


Die Anreise zur Insel ist etwas kompliziert. Die Tickets für die vier- bis fünfmal täglich ablegenden Touren-Schnellbote können nur im Besucherzentrum am Nelson-Mandela-Gateway gekauft werden, und bevor man auf das Boot gelangt, steht man ziemlich lange in einer endlosen Schlange durch das ganze Gebäude. Wenigstens wird der Besucher bereits in dieser Wartezeit auf den Besuch auf der Insel vorbereitet, denn diverse Bildschirme mit Filmen und zahlreiche mehrsprachige Infotafeln machen mit der eindrücklichen, aber bedrückenden Geschichte Robben Islands und der Anti-Apartheid-Bewegung vertraut.

Nach einer ca. 45-minütigen Überfahrt steigt man an der Anlegestelle zunächst in einen Bus. Man bewegt sich also nicht frei auf der Insel, sondern wird von A-Z geführt. Die Bustour führt die Besucher zunächst auf einer kleinen Runde zu den wichtigsten Punkten auf der Insel, entlang der Gefängnisbauten, durch das kleine Dorf, zum Leuchtturm, zu den Steinbrüchen (oben im Beitragsbild) und zum ehemaligen Lepra-Friedhof. Bei letzterem erfuhren wir, dass die Insel im Laufe der Jahrhunderte seit der Besiedlung des Kaps durch die Europäer ganz verschiedenen Zwecken gedient hat: als Sträflingskolonie, Steinbruch für den Bau der Stadt, Lager für Leprakranke, Militärbasis und Apartheid-Gefängnis. An einem schönen Tag mit guter Sicht eröffnen sich auf der Tour einige herrliche Blicke auf das Festland, so zum Beispiel zum Tafelberg oder nach Bloubergstrand.

Nach der Bustour wurden wir am Eingang des Gefägniskomplexes von einem Führer in Empfang genommen, der uns im zweiten Teil des Besuchs durch das Gefängnis führte. Diesem Mann zuzuhören war ein echtes Erlebnis. Er war selber einer der Insassen von Robben Island gewesen, und daher waren seine mit kräftiger Stimme engagiert vorgetragenen Erzählungen über den Gefängnisalltag wirklich authentisch. Sogar über die schwersten Stunden seines Daseins als Häftling erzählte er ohne Bitterkeit, das war wohl das Beeindruckendste am Ganzen. Auch wenn die heute in mit einem freundlichen Antlitz erscheinende Anlage direkt nicht mehr viel von den Schrecken vermittelt, die hinter ihren Mauern geherrscht haben, so lohnt sich ein Besuch auf der Gefängnisinsel genau dieser eindrücklichen Führungen wegen auf jeden Fall.


