Stavanger gehörte wie Ålesund und Bergen zu den Orten, die wir im Rahmen unserer Kreuzfahrt anliefen, die ich auf früheren Reisen schon besucht hatte. Im Gegensatz zu Bergen aber war der letzte Besuch nur kurz, und mich interessierte damals vor allem die nähere Umgebung, nicht die Stadt selber. Somit kann ich auch nicht unbedingt einen Vergleich zwischen dem Stavanger von 2008 und dem von heute ziehen. Das einzige, was sicher ist: Diese Stadt gefiel uns beim aktuellen Besuch so gut, dass sie umgehend auf der Liste der bei einer künftigen Norwegen-Reise wieder zu einzuplanenden Orte landete 🙂 … Und dies, obwohl die Umstände eigentlich alles andere als günstig waren!


Denn an diesem Tag, am elften unserer Reise insgesamt und am neunten der Kreuzfahrt, regnete es zum allerersten Mal, und zwar nicht zu knapp. Wir liessen uns davon jedoch nicht beirren – wie sollten wir auch, schliesslich hatten wir nur den einen Tag hier in Stavanger. So legten wir uns ein Programm zurecht, das es uns erlaubte, etwas von der Stadt zu sehen und doch nicht allzu nass zu werden. Als erstes besuchten wir das Konservendosen-Museum im Herzen des malerischen Stadtteils Gamle Stavanger, wobei wir auf dem Weg unter unseren Regenschirmen hervor gerade die alten Pflasterstein-Gassen mit ihren schönen, weiss getünchten Häusern bewunderten.


Zweite Etappe war das äusserst interessante Erdöl-Museum, das wir uns nach einem Mittagessen in dessen Kantine ansahen. Dass ausgerechnet Stavanger dieses Museum beherbergt, ist kein Zufall, gilt die Stadt doch als Zentrum der norwegischen Erdöl- und Erdgasindustrie. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Norwegen durch die Ölförderung zu einem der reichsten Länder der Welt geworden ist, was in der heutigen Zeit wohl das eine oder andere Fragezeichen hinterlässt. Das Museum führt den Besucher in die Geschichte und die Technik der Erdölförderung ein und setzt sich dabei durchaus auch kritisch mit der Rolle Norwegens bei diesem Thema und mit der Zukunft der fossilen Brennstoffe auseinander. Im Anschluss spazierten wir gemütlich durch den Teil der Altstadt westlich des Hafenbeckens Vågen zurück in Richtung Schiff. Und hatte uns schon das gefallen, was wir auf unserem bisherigen Weg gesehen hatten, so begeisterte uns dieses Quartier definitiv für die Stadt.


Gamle Stavanger ist zwar sehr hübsch, aber es ist ein fast reines Wohnquartier und wirkt eher wie ein bewohntes Freilichtmuseum. Hier, auf dieser Seite des Hafens aber pulsiert das Leben richtiggehend. Es war trotz des schlechten Wetters ein Genuss, durch die lebendigen Gassen mit ihren bunten Häusern, ihren Läden, Boutiques und Cafés zu flanieren und die lebensfrohe Atmosphäre aufzunehmen. Wir setzen uns sogar für längere Zeit in ein Teehaus und nahmen Tee und Kuchen zu uns – eine Seltenheit für unsere Verhältnisse, mitten am Tag! 😉 …

So kehrten wir voller neuer Erfahrungen wieder zum Schiff zurück im Wissen hier eine ganz besondere Perle unter den Städtchen Norwegens entdeckt zu haben (eine Erkenntnis, die sich mir vor vierzehn Jahren aufgrund meiner damaligen interessensmässigen Einseitigkeit nicht erschlossen hatte 🙂 …)



