Bevor der Winter, der dieses Jahr ja gar nicht richtig stattgefunden hat, endgültig zu Ende ist, möchte ich hier noch einmal einen winterlichen Artikel publizieren. Und zwar habe ich nach dem Veröffentlichen der Beiträge „Winter in Norwegen“ und „Winter in Schweden“ einmal mein altes Material von den beiden Aufenthalten im Winter Finnisch-Lapplands gesichtet. Dabei habe ich festgestellt, dass ich einige der Dias aus dieser Zeit (1997/1998) gescannt habe. Das wurde für mich zum Anlass, einen dritten Artikel zu schreiben – diesmal kommt sogar Schnee darin vor, und das erst noch in rauen Mengen! 🙂

Winterlandschaft bei Kiilopää
Winterlandschaft bei Kiilopää

Finnland bietet dem Winterliebhaber einige interessante Destinationen mit jeweils hunderten von Kilometern bestens präparierten Langlaufloipen an. Eine davon ist Saariselkä, am Rande des – für finnische Verhältnisse – recht gebirgigen Urho Kekkonen Nationalparks. Ich durfte zwei Mal eine Woche in diesem Teil Lapplands erleben, einmal in Kakslauttanen und einmal in Saariselkä selber. Das Leben in dieser rauen Gegend ist für uns Mitteleuropäer im Winter sehr gewöhnungsbedürftig. Das liegt zum einen daran, dass die weite Landschaft dann zum grossen Teil schwer zugänglich ist und die Bewegungsfreiheit auf die paar wenigen Strassen oder Loipen beschränkt ist – es sei denn, man bewege sich mit Hundeschlitten oder Schneescooter fort. Oder mit Schneeschuhen, was aber schnell einmal gefährlich werden kann, da die Orientierung leicht verloren geht. Zum anderen liegt dies aber sicher auch an den Temperaturen. Beide Male herrschten vor meiner Hütte um die -40° Celsius.

Ausblick vom Kaunispää, dem Hausberg Saariselkäs
Ausblick vom Kaunispää, dem Hausberg Saariselkäs
Winterlicht
Winterlicht

Zwar fühlen sich diese Minusgrade nicht ganz so kalt an, wie sie das bei uns tun würden, da die Luft im Norden sehr trocken ist. Trotzdem stellt diese Temperatur eine Herausforderung an die Kleidung und das Verhalten dar. Das Wichtigste ist, dass man die Zeit, während der man sich im Freien aufhält, beschränkt. Da das Tageslicht beispielsweise im Februar sowieso nur sechs Stunden dauert, kommt man auch gar nicht erst in Versuchung, länger draussen zu bleiben. Dann muss man möglichst immer in Bewegung bleiben, damit der Körper Wärme produziert, und eine funktionale Bekleidung in drei bis vier Schichten ist ein absolutes Muss. Auch eine Sturmmaske ist sehr empfehlenswert, da schon relativ leichter Wind dazu führen kann, dass die exponierten Gesichtspartien einfrieren.

Finnische Weite im Urho Kekkonen Nationalpark
Finnische Weite am Rande des Urho Kekkonen Nationalpark

Das Loipennetz um Saariselkä ist sehr ausgedehnt, was aber auch bedeutet, dass eine Langlauftour gut und gerne den ganzen Tag dauern kann. Daher ist es wichtig, das in den Hotels angebotene Kartenmaterial zu konsultieren und im Hotel immer anzugeben, welche Runde man drehen will. Sollte man sich überschätzen und es nachmittags nicht zurück schaffen, wissen die Rettungskräfte, wo gesucht werden muss. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist es sehr ratsam, die Touren realistisch der eigenen Kondition anzupassen.

Schutzhütte bei Kiilopää
Schutzhütte an der Loipe bei Kiilopää

Für längere Touren gibt es entlang der Loipen kleinere Schutzhütten. Diese dienen aber nicht zum Übernachten, sondern lediglich zum Aufwärmen. Hier gilt eine einfache Regel: Der erste am Tag, der die Schutzhütte nutzt, entfacht im Ofen ein Feuer, und die nachfolgenden Besucher schieben nach (Holz ist immer vorhanden). So stehen die Chancen gut, dass man am früheren Nachmittag seine Pause bereits bei – im Vergleich zu draussen – angenehm warmen -10° Celsius verbringen kann 🙂

Unter diesen Bedingungen ist man abends natürlich meist recht geschafft und ist froh, wenn man beim Abendessen nicht schon einschläft. Dafür ist die Chance bei gutem Wetter aber gross, dass noch man in den Genuss eines Nordlicht-Spektakels kommt…

Wer Finnisch-Lappland übrigens lieber bei nicht ganz so extrem winterlichen Bedingungen kennenlernen möchte, dem sei eine Reise an Ostern empfohlen. Die Tage sind dann in der Regel schon länger als bei uns, die Temperaturen dank längerer Sonneneinstrahlung wesentlich angenehmer – und es sind erst noch mehr Lopien geöffnet, auch diese in die abgelegensten Täler des Nationalparks.

Wintertraum nahe Saariselkä
Wintertraum nahe Saariselkä

Mehr Informationen zu den Freizeitaktivitäten im Urho Kekkonen Nationalpark finden sich auf der Website von Saariselkä.

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