Da das himmeltraurige Wetter der letzten Wochen einen selten in Versuchung bringt, nach draussen zu gehen und zu fotografieren, beginne ich heute mit der Aufarbeitung etwas älteren Materials. In der Kategorie „Fotowanderungen“ möchte ich künftig im Blog Wanderungen vorstellen, die ich selber unternommen habe und die mir aus fotografischer (und auch geniesserischer 🙂 …) Sicht geeignet scheinen, sie auch anderen vorzustellen. Den Anfang macht das Sidelhorn am Grimselpass, das ich im September 2012 überquert habe.

Ausblick über den Trübtensee Richtung Oberaar
Ausblick über den Trübtensee Richtung Oberaar

Der Grimselpass gehört zu meinen Lieblingslandschaften in den Alpen. Der Pass ist umgeben von den beeindruckenden, felsigen Gipfeln des Aare-Massivs und lädt an vielen Stellen zu ausgiebigen Wanderungen in grosser Höhe ein. Wenn man vom Pass der Panoramastrasse Oberaar folgt, findet sich nach etwa der Hälfte der Strecke ein kleiner Parkplatz, von dem aus der Weg hoch zum Trübtensee – auch Triebtenseewli genannt – führt.

Oberhalb dieses Stausees eröffnet sich dem Wanderer ein erhebender Ausblick in Richtung der Gipfel über dem Oberaarsee. Überhaupt ist die Wanderung geprägt von ständig wechelnden Perspektiven auf die umliegenden Gipfel und Täler der Grimselwelt, des Obergoms und des obersten Haslitals. Kurz nach dem Passieren des Trübtensees muss man sich entscheiden: Entweder man nimmt den Weg via Trübtenlücke oder die Abkürzung. Leuten, die nicht schwindelfrei sind, würde ich die Abkürzung direkt zum Gipfel empfehlen, obwohl sie ziemlich steil ist. Alle anderen sollten die sagenhafte Aussicht auf der Trübtenlücke bei einem kleinen Picknick geniessen.

Der Grund für meine Empfehlung: Nach der Trübtenlücke folgt ein steiler, felsiger, wegloser Aufstieg über einen Vorgipfel, der als blau-weisser Bergweg gekennzeichnet ist und daher nur von erfahrenen Berggängern begangen  – oder vielmehr beklettert – werden sollte. Anseilen ist zwar nicht notwendig, aber der Pfad hat es dennoch in sich…

Ausblick von kurz unterhalb des Sidelhorngipfels über die Grimselwelt
Ausblick von kurz unterhalb des Sidelhorngipfels über die Grimselwelt

Von diesem Vorgipfel führt der Pfad anschliessend wieder leicht abwärts zum nächsten Sattel, wo die Benutzer der Abkürzung dazustossen, und dann wieder steil, aber wesentlich angenehmer durch eine karge Geröllhalde hoch zum Sidelhorngipfel. Der Ausblick von hier oben auf 2764 Metern Höhe ist schlichtweg überwältigend und entschädigt locker für die bisher geleisteten Strapazen!

Nach dem Gipfel führt der Weg weiter durch Felsen und Geröll hinunter zur Husegghütte. Dort bietet sich ein kleiner Bergsee vor der Kulisse des Galenstocks und der Gelmerhörner als weiteres Fotomotiv an.

Bergsee bei der Husegg-Hütte
Bergsee bei der Husegg-Hütte

Bei der Husegghütte muss man sich wieder entscheiden: Diejenigen, die zu Fuss vom Grimselpass her gekommen sind, steigen von hier aus wieder zum Pass ab. Wer das Auto beim Parkplatz am Triebtenseewli abgestellt hat, folgt nun einem Weg durch ein mooriges Felsband am Fuss des Sidelhorns, stets ein wenig auf und ab bis zurück zum Stausee.

Die Gegend um den Grimselpass ist sehr felsig und karg. Dank der vielen teils atemberaubenden Ausblicke ist sie jedoch insbesondere für Liebhaber alpiner Bergwelten extrem fotogen. Und für den Naturliebhaber bieten sich überall Gelegenheiten, den Lauf des Wassers oder die spärliche, oftmals unscheinbare, aber faszinierende alpine Flora – so z.B. grosse Vorkommen des alpinen Wollgrases – zu geniessen.

Bergbach beim Triebtenseewli mit Blick zu den Gelmerhörnern und dem Galenstock
Bergbach beim Triebtenseewli mit Blick zu den Gelmerhörnern und dem Galenstock

Für alle, die diese Wanderung gerne auch einmal durchführen möchten, hier noch ein paar Eckdaten:

  • Zeitbedarf: Ist natürlich für Fotografen immer schwierig anzugeben :-)… Aber ich würde von einem Minimum von fünf Stunden für beide Varianten ausgehen.
  • Höhendifferenz: je ca. 520m berg- und talwärts, beim Start ab Grimselpass zusätzlich je 135m
  • Verpflegungsmöglichkeiten auf der Grimsel-Passhöhe, beim Hotel Grimsel Hospiz und beim Berghaus Oberaar
  • Anreise mit dem öV via Meiringen – Bus oder via Brig – Oberwald – Bus
  • Weitere Informationen über die Gegend am Grimselpass finden sich auf der Website der Grimselwelt

7 Kommentare

  1. Danke für den tollen Bericht. Genau diese Tour hatte ich mir auch als Foto-Wandertour ausgedacht. Durch deine Bilder habe ich nun eine bessere Vorstellung davon, welche Gipfel man aus welcher Perspektive sieht.

    1. Hallo Thomas

      Vielen Dank für dein positives Feedback. Die Wanderung ist in der Tat auch aus fotografischer Sicht sehr lohnenswert, v.a. natürlich im Herbst.

      Übrigens: Ich habe einen Blick auf deinen Blog geworfen – er ist auch sehr interessant 🙂 …

      Beste Grüsse
      Andreas

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.