Am 1. Mai wollte ich wieder einmal eine der zahlreichen interessanten Schluchten aufsuchen, die unser Land zu bieten hat, um mich ein wenig den Langzeitbleichtungen zu widmen. Das Wetter versprach ideal zu werden – sprich bewölkt, aber meistens trocken. Ich entschied mich für die Gorges de l’Areuse im Neuenburger Jura, die sich in drei Stunden zu Fuss von Noiraigue hinunter nach Boudry durchwandern lassen (reine Marschzeit, ohne Kamera natürlich 🙂 …).

Zu meiner Überraschung riss dann aber der Himmel, kaum in Noiraigue angekommen, rasch und gründlich auf. Ich wusste gar nicht so recht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht 🙂 Denn um am fliessenden Wasser zu fotografieren, ist direktes Sonnenlicht nicht gerade ideal… Aber als Fotograf ist man sich ja gewöhnt, sich flexibel auf geänderte Bedingungen einzustellen.

Die Gorges de l’Areuse sind wirklich sehenswert. Zuerst gelangt man an den Saut du Brot, einen mehrstufigen Wasserfall in einer Verengung der Schlucht, dann führt die Wanderung meist den breiten Flusslauf entlang, wo das Wasser fortwährend leicht über Steine hüpft, bevor mit der Chute de la Verrière und einer zweiten felsigen Verengung der Gorges noch einmal zwei spektakuläre Highlights den Weg säumen. Und immer ist man unterwegs von hohen, teilweise bewaldeten Felswänden umgeben. Das eine oder andere Flusskraftwerk und Gasthaus lockern die Wanderung entlang dem einsamen Weg auf.

Doch nun zum eigentlichen Thema. Da die Areuse extrem viel Wasser führte, fand ich an der Chute de la Verrière ein spektakuläres Wasserspiel vor, das auf dem unteren Foto abgebildet ist.

Chute de la Verrière im Frühling
Chute de la Verrière im Frühling

Das Foto zeigt das Wasser, wie es über die im Flusslauf liegenden Felsen springt, mit einer Belichtungszeit von 1/250 Sek. „eingefroren“ (ganz bewegungslos ist es nicht, dazu hätte ich eine noch kürzere Belichtungszeit wählen müssen). Für viele Betrachter ist so ein Bild von bewegtem Wasser die „richtige“ Darstellungsweise, da sie es als viel realistischer empfinden. Im folgenden Foto habe ich die Belichtungszeit dann auf 8 Sek. eingestellt.

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Da wie gesagt teilweise die Sonne in die Szene schien, treten beim langzeitbelichteten Foto die Kontraste zwischen den dunkleren, im Schatten liegenden und den helleren Stellen viel deutlicher hervor als im oberen Foto, was dem Bild schon einen etwas kitschigen Touch verleiht. Andererseits ist es ja genau die erst in der LZB hervortretende Weichheit des Wassers, die ich bei dieser Art Fotos mag und die offenbar auch bei vielen Betrachtern gut ankommt.

Ich bin mir selber nicht schlüssig, welches Foto mir in diesem Fall besser gefällt. eine Langzeitbelichtung kann etwas sehr schönes sein, wie z.B. auf meinem Foto „Wolfschlucht“ (in der Fotogalerie – Album Natur), das an nationalen und internationalen Wettbewerben angenommen worden ist. Aber hier ist die Grenze zum Übertriebenen doch schon fast erreicht oder überschritten? Urteilt selbst. Es gäbe ja auch noch einen Mittelweg – z.B. mit einer Belichtungszeit von ca. 1/15 Sek. Ihr dürft gerne einen Kommentar zu diesem Thema hinterlassen – ich bin gespannt.

Übrigens: In den Gorges de l’Areuse wurde mir immerhin klar, dass der Frühling für dieses Jahr nun definitiv eingetroffen ist 🙂 … Siehe dazu das letzte Foto:

Schmetterling in den Gorges de l'Areuse
Schmetterling in den Gorges de l’Areuse

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