Nachdem ich mich nun diesen Sommer etwas intensiver der Landschaftsfotografie in den Alpen gewidmet habe, möchte ich mich in diesem Artikel wieder einmal der Stadt zuwenden. Und zwar konkret einem Stadtteil von Zürich, der mich in der Vergangenheit immer wieder in seinen Bann gezogen hat und immer noch zieht: Zürich Nord.

Das Airgate an der Thurgauerstrasse
Das Airgate an der Thurgauerstrasse

Meine erste Begegnung mit diesem Stadtteil fand schon früh statt. In den frühen Achzigerjahren besuchte ich nämlich die Kantonsschule Oerlikon. Damals war mir zwar Architektur noch so ziemlich egal 🙂 Aber als täglicher Gast nahm ich den unterschwelligen Charme des damals wichtigen Industriestandorts im Norden der Stadt Zürich sehr wohl wahr. Zumal ich mich sehr oft sogar auf dem Fahhrad von Bassersdorf her kommend durch die städtischen Strassen kämpfte.

Der Rückgang der Industrie in der Schweiz in  der Wirtschaftskrise der Neunzigerjahre fand erst nach meiner Schulzeit statt. Die Entwicklung, die der Stadtteil – bestehend aus den Quartieren Affoltern, Seebach und Oerlikon – vom grösstenteils aufgegebenen Industriequartier hin zu einem attraktiven, trendigen Wohn- und Gewerbequartier gemacht hatte, ging an mir vorbei. Ich entdeckte Zürich Nord erst wieder, als ich im Rahmen von Zürcher fotocommunity.de-Treffen gemeinsam mit anderen Fotografen in dieser Gegend unterwegs war.

Innenhof eines Blocks am Max-Bill-Platz
Innenhof eines Blocks am Max-Bill-Platz
Extravagante Architektur an der Binzmühlestrasse
Extravagante Architektur an der Binzmühlestrasse

Was ich dabei entdeckte, war ein selbstbewusstes, attraktiv (um)gestaltetes Quartier, das durchaus das Zeug hat, das Herz des Architektur-Interessierten (und natürlich -Fotografen) höher schlagen zu lassen. Umsichtige Stadtentwicklung hatte dafür gesorgt, dass in Zürich Nord ein Umfeld entstanden ist, in dem die historische Bausubstanz der Maschinenindustrie mit moderner, menschengerechter und mitunter frecher Architektur verschmilzt und der Stadtteil, wie in einem interessanten Hintergrund-Artikel des Stadtlabors beschrieben, vom Aschenputtel zur Prinzessin geworden ist. Grosszügige Parks und Wohnlandschaften prägen den Stadtteil, und es ist richtig spannend, durch die teilweise liebevoll gestalteten und den Geist modernen urbanen Lebens atmenden Innenhöfe zu streifen.

Wohnblock am Oerliker Park
Wohnblock am Oerliker Park

Wie grosszügig und innovativ mit dem Raum auf den Industriebrachen umgegangen wurde, zeigt für mich beispielhaft der MFO-Park (von dem ich leider selber kein Foto zur Hand habe, siehe daher unter dem Link…). Hier wurde quasi im leeren Raum eine einzigartige Landschaft geschaffen, bestehend aus einem mit Reben bepflanzten Metallgerüst, dass sich begehen lässt und in dem die zahlreichen hier lebenden und arbeitenden Menschen sich einige Momente der Ruhe inmitten der städtischen Hektik gönnen können.

Gebäude an der Emil-Oprecht-Strasse
Abluftrohre an einem Gebäude an der Emil-Oprecht-Strasse

Ebenfalls sehr interessant und immer in baulicher Veränderung sind die Gewerbequartiere südlich der Bahnlinie in Richtung Flughafen sowie das Quartier Leutschenbach mit dem Fernsehstudio. Der ehemalige Sunrise Tower beispielsweise wurde vor kurzem um drei neue, im gleichen Stil gebaute Bürogebäude erweitert.

Ein älteres Bild des Hochhauses Hagenholzstrasse
Ein älteres Bild des Hochhauses Hagenholzstrasse – damals noch „Sunrise Tower“

Da ich im Rahmen der beruflichen Weiterbildung in den Jahren 2003/2004 nochmals in Oerlikon die Schulbank drücken durfte, hatte ich genügend Gelegenheit, viele neue Winkel dieses faszinierenden Stadtteils zu entdecken. Nicht umsonst hat sich der Kreis 11 in den letzten Jahren für mich zu einem „Favorite Place“ entwickelt. Die Möglichkeiten sind schier endlos. Wer sich für Architektur, Stadtentwicklung und das Fotografieren im urbanen Raum interessiert, dem kann ich einen Besuch in Zürich Nord nur wärmstens empfehlen!…

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