Docklands 1 – Limehouse Basin

An der Narrow Street, unweit des Limehouse Basin
An der Narrow Street, unweit des Limehouse Basin, schimmert noch die Vergangenheit der Docklands durch…

Wie in meinem ersten Artikel über unsere London-Reise an Ostern erwähnt, möchte ich mich nun noch ein paar speziellen Aspekten der Stadt widmen. Als erstes möchte ich dabei einen Blick auf die Wandlung werfen, die London aus seiner Geschichte bis in die neuere Zeit durchgemacht hat, bzw. die sichtbaren Spuren dieser Wandlung. Einer der faszinierendsten Orte, wo man als Besucher mit dieser Wandlung konfrontiert wird, sind die Docklands. Dieser Name bezeichnet ein grosses Gebiet im Osten Londons, das sich über mehrere Stadtteile erstreckt.

Überblick über das Limehouse Basin
Überblick über das Limehouse Basin
Malerische Boote im Becken
Malerische Boote im Becken

Obwohl nicht direkt am Meer gelegen, beherbergte London einst den grössten Hafen der Welt. Dies war möglich, indem sich die Hafenanlagen nicht nur entlang der Themse erstreckten, sondern auch an einem System von Kanälen und Becken, den sogenannten Basins gebaut wurden. So gab es genug Platz, damit all die grossen Handelsschiffe anlegen und ihre Ladung an den Speicherhäusern der Docks löschen konnten. Später dann passierte das, was überall in der industrialisierten Welt passierte: Mit dem Niedergang der Industrie und dem Rückgang des Seehandels wurden Industriegebiete und Häfen aufgegeben. Zurück blieben riesige Brachen, die dem Verfall anheim zu fallen drohten.

An der Hafeneinfahrt
An der Hafeneinfahrt
Umgenutzte Speicherhäuser, im Hintergrund die Hochhäuser der Canary Wharf
Umgenutzte Speicherhäuser, im Hintergrund die Hochhäuser der Canary Wharf

Im Artikel über Zürich Nord habe ich bereits beschrieben, dass ich hautnah erleben konnte, wie ein praktisch verwaistes Industriegebiet sich im Laufe der Zeit durch die Sanierung und Umnutzung der bestehenden Gebäude zu einem sehr attraktiven Wohn- und Gewerberaum wandelte, der auch architektonisch interessant ist. In den Londoner Docklands ist genau dasselbe passiert bzw. passiert immer noch. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel sich nur schon in den vier Jahren seit meinem letzten Besuch verändert hat. Und auch bei einer aktuellen Fahrt durch die Docklands – am besten mit der Docklands Light Railway – stellt man fest, dass überall neue Hochhäuser aus dem Boden schiessen und verfallene Gebäude abgerissen oder saniert werden. So kann man richtig zuschauen, wie auf den Grundmauern ehrwürdiger Geschichte ein neuer Lebensraum entsteht.

Eine weitere Szene im Limehouse Basin
Eine weitere Szene im Limehouse Basin
Am Eingang zu den St. Katharine Docks
Am Eingang zu den St. Katharine Docks
Auch an den St. Katharine Docks prägen umgenutzte Speicherhäuser das Bild
Auch an den St. Katharine Docks prägen umgenutzte Speicherhäuser das Bild

Wir haben bei unserem Oster-Besuch vor allem zwei Orte entdeckt, an denen diese Entwicklung sichtbar wird. Der erste ist das Limehouse Basin. Rund um das Becken wurden alte Speicher- und Handelshäuser saniert und neu aufgebaut und so moderner (wenn auch nicht günstiger!) Wohn- und Arbeitsraum geschaffen. Das Becken selber dient nach wie vor als Hafen, allerdings heute für Jachten und Sportboote. Zum Teil scheinen die Boote sogar als (temporäre) Wohngelegenheit oder Wochenend-„Häuschen“ zu dienen, denn an Deck finden sich liebevoll gepflegte kleine Kräuter- und Blumengärtchen. Es ist ein wirklich schöner Ort, wie der Spaziergang rund um das Basin nach jeder Ecke von neuem offenbart. Und offensichtlich ist unter den Bewohnern des Quartiers eine richtige Community entstanden. Bei einer der Fussgänger-Brücken gibt es zum Beispiel eine inoffizielle „Bibliothek“ in einem kleinen Schrank, wo jedermann gebrauchte Bücher hinbringen oder mitnehmen kann 🙂 …

Am mittleren Becken der St. Katharine Docks
Am mittleren Becken der St. Katharine Docks

Ein anderer Ort dieser Art sind die St. Katharine Docks. Diese liegen zwar nicht in den Docklands, sondern in der City, nahe der DLR-Endstation Tower Gateway und der Tower Bridge. Aber sie sind auch ein schönes Beispiel für die beschriebene Entwicklung. Dort ist das städtische Leben sogar noch einiges präsenter, da sich dort im Gegensatz zum Limehouse Basin auch zahlreiche Cafés und Restaurants finden. Ich persönlich finde beide Orte sehr besuchenswert, auch wenn sie das Klischee der typischen Sehenswürdigkeit nicht bedienen 😉 … Und ich hoffe, die paar Fotos unterstreichen das.

Blick über das östliche Becken zur Dickens Inn
Blick über das östliche Becken zur Dickens Inn

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