Seitenkapelle der Kirche Santa Maria del Sasso
Seitenkapelle der Kirche Santa Maria del Sasso

Als Kind war ich ziemlich oft im Tessin in den Ferien. Dies hatte den Grund darin, dass mein Vater in gewissen Jahren den ganzen Sommer über in Meride war, wo die Universität Zürich eine Ausgrabungsstätte am Monte San Giorgio hatte (heute Teil des UNESCO Welterbes). Was lag also näher als während der Schulferien einen temporären Familiennachzug auszuüben? Das Hauptthema in diesen Ferien (wie in allen anderen auch) war jeweils das Wandern. Und zwar habe ich im Rückblick den Eindruck, dass damals meistens das Ziel war, möglichst schnell von A nach B zu kommen. So rauschten wir durch viele interessante Orte einfach hindurch. Nun gut, zugegeben: Als Kinder war unser kulturelles Interesse sowieso sehr stark beschränkt 🙂 und für uns war wichtig, genügend Zeit für das Stauen von Bächen, das Erkunden von Höhlen oder andere, weitaus gefährlichere Dinge zu haben, die Jungen halt so im Kopf haben. So kommt es, dass auch das äusserst hübsche Dorf Morcote stets nur Durchgangsstation auf Wanderungen oder Schifffahrten war – bis vor Kurzem.

Blick vom Schiff aus auf Dorf und Kirche von Morcote
Blick vom Schiff aus auf Dorf und Kirche von Morcote
Blick über den See...
Blick über den See…

Wie schon auf dem Hinweg nach Padua wollten wir auch den Rückweg nicht unbedingt in einem Stück bewältigen, da sieben Stunden Autofahrt halt schon etwas heftig sind. Wir entschieden uns, bis ins Tessin zu fahren und dort spontan nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau zu halten. Zunächst war Lugano im Focus, aber dann fiel mir noch während der Fahrt Morcote ein 🙂 … Nach einem guten Mittagessen in einem Terrassen-Restaurant am See suchten wir ein Zimmer, und wir hatten unverschämtes Glück. Im „Al Battello“ erhielten wir ein komplettes Appartement mit Balkon über dem See zum an sich schon günstigen Preis eines einzelnen Zimmers – was mehr kann man sich wünschen?

Zum Bauen gab es nicht viel Platz an diesem steilen Hang...
Zum Bauen gab es nicht viel Platz an diesem steilen Hang…
Platz vor der Kirche
Platz vor der Kirche

Nun, was bietet denn eigentlich dieses kleine Dorf, das so etwas verloren an den Hang geklatscht wirkt, dem Besucher? Kann man von einer oder zwei Häuserreihen tatsächlich etwas erwarten? Ja, man kann! Natürlich ist der Ort selber sehr klein, und ausser ein paar kleinen Boutiquen und Restaurants unter den charakteristischen Bogengängen entlang der einzigen Strasse am See findet man nicht viel. Aber die Lage am See mit dem Blick zum Monte San Giorgio ist schon sehr schön, und ein Glas Wein auf dem sonnigen Balkon mit Blick über das Wasser oder ein Abendessen mit bester Tessiner Küche auf einer der zahlreichen Terrassen am See sind auf keinen Fall zu verachten. Und da ich zum ersten Mal wirklich etwas Zeit hatte, mich auf Morcote einzulassen, erkundeten wir ausführlich die am Hang gelegene Wallfahrtskirche Santa Maria del Sasso mit der dazugehörigen achteckigen Kapelle. Die Kirche war zwar während unseres Besuchs in Renovation, aber die Schönheit ihres Inneren mit den Fresken aus verschiedenen Epochen und der schönen Scheinkuppel liess sich doch zumindest erahnen. Die barocke Kapelle – die übrigens zufälligerweise dem Heiligen Antonius von Padua gewidmet ist – hatte die Renovation offensichtlich schon hinter sich.

Die St. Antonius-Kapelle
Die St. Antonius-Kapelle
In der renovierten St. Antonius-Kapelle
In der renovierten St. Antonius-Kapelle

Was ganz besonders eindrücklich ist, ist der in einmaliger Lage positionierte Monumentalfriedhof neben der Kirche. Ich glaube, ich habe noch nie einen Friedhof mit derart pompösen Gräbern gesehen, und das noch in einer solchen Dichte – und in einem so kleinen Ort. Wir äusserten beide spontan die Vermutung, dass hier wahrscheinlich die reichsten Tessiner Dynastien ihre Familiengräber angelegt hatten. Eine genauere Überprüfung ergab aber, dass hier vor allem Künstler ihre letzte Ruhestätte gefunden haben…

Im Inneren der Kirche
Im Inneren der Kirche

Für längere Ferien bietet sich Morcote nicht an – dafür ist es zu klein und für meinen Geschmack etwas zu ruhig. Dennoch hat die Erfahrung auf dieser Frühlingsreise gezeigt, dass dieses alten Fischerdorf ein bisschen mehr Zeit verdient als nur durchzuwandern oder mit dem Ausflugsschiff kurz anzuhalten…

Der eindrückliche Monumentalfriedhof
Der eindrückliche Monumentalfriedhof

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