Einen nicht unwesentlichen Teil unserer Mexiko-Reise verbrachten meine Frau und ich in Mexico City. Wie könnte es auch anders sein. An dieser Riesenstadt, der Hauptstadt des Landes, kommt wohl kein Mexiko-Reisender vorbei. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil unserer Familie dort lebt. Schon nur aus diesem Grund ist Mexico City ein Ziel, das sich uns aufdrängt. Der Umstand, dass die Ciudad de México die sechstgrösste Stadt der Welt ist und inklusive Ballungsraum rund 22,3 Millionen Einwohner zählt, bewirkte bei mir als Kleinräumigkeit gewohntem Europäer zu Beginn ein etwas mulmiges Gefühl. Aber – soviel sei hier vorweg verraten – diese „verrückte“ Stadt hat mich in jeder Hinsicht positiv überrascht und fasziniert.


Dafür gibt es viele Gründe, und ich werde über diese hier auf dem Blog nach und nach berichten. Heute möchte ich einen davon besonders ausführen. Es gibt nämlich trotz der schieren Grösse der Stadt und der dadurch bedingten Hektik und des Verkehrschaos auch wahre Oasen. Eine davon ist das Quartier Coyoacán, das mein Herz schon am ersten Abend in Mexico City erobert hat und das wir in der Folge auch mehrmals aufsuchten.


Coyoacán bedeutet in der Azteken-Sprache Náhuatl „Ort der Kojoten“. Das heutige Quartier war früher eine eigenständige kleine Siedlung am Ufer des Texcoco-Sees, in der Nähe der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán (deren Ruinen heute noch im Zentrum der Stadt besichtigt werden können). Bis 1929 war Coyoacán eine eigenständige Gemeinde, inzwischen hat die Stadt diese geschluckt. Was geblieben ist, ist der authetische und ursprüngliche Charakter des Dorfes, der sich weitgehend in die heutige Zeit hinüber gerettet hat. So kommt es, dass man sich unweit von Stadtautobahnen und Bürogebäudekomplexen mit Wolkenkratzern in ein altes Kolonialstädtchen mit den typischen farbigen Häusern und teilweise engen, ruhigen Gassen zurückversetzt fühlt.

Doch das ist nicht der einzige Vorzug dieses hübschen Szene-Quartiers, das auch dadurch eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, dass Frida Kahlo und Diego Rivera teilweise hier gewohnt hatten. Insbesondere am Abend erwacht pulsierendes Leben auf den zentralen Plätzen, Strassenhändler bieten überall ihre Waren feil, und an jeder Ecke lädt ein gemütliches Café oder ein gutes Restaurant zum Verweilen ein. Traditionelles Gewerbe mit Apotheken, Mini-Supermärkten und Werkstätten aller Art mischt sich bunt mit Luxus-Boutiquen. Und wenn man Ruhe sucht, gibt es jenseits der Hauptstrassen zahlreiche wenig belebte Gassen und schattige Plätze – oder man besucht eines der zahlreichen, oft gut versteckten Restaurant in einem geschützten Hinterhof.

Das Quartier gefiel mir so gut, dass wir es wie gesagt mehrmals besuchten. Neben dem Abendessen und einem Spaziergang zur blauen Stunde am ersten Abend unseres Aufenthalts in Mexico City und einem ausgedehnten Spaziergang unter der kundigen Führung der Familie gönnten wir uns zum Abschluss sogar noch eine Nacht in einem sehr charmanten Boutique-Hotel nahe der Plaza Coyoacán. Meine erste und meine letzte Begegnung mit Mexico City auf dieser Reise fanden also in Coyoacán statt, dem Quartier, das mein erster „coup de cœur“ in Mexiko wurde. Über die anderen beiden berichte ich dann an anderer Stelle…




