Regelmässige LeserInnen dieses Blogs wissen, dass ich für die Landschaftsfotografie meist etwas abgelegen Orte bevorzuge, die einen gewissen Wildnis-Charakter bewahrt haben. Das ist gerade in der Gegend, wo ich wohne, nicht immer einfach zu finden. In den Bergen trifft man schon eher solche Plätze, wenn man sich genug weit von den ausgetretenen Pfaden entfernt. Es gibt aber auch in Zivilisationsnähe immer wieder interessante und schöne Landschaften – so z.B. auf den Alpenpässen.

Nur ist es in diesen Fällen oftmals so, dass schnell einmal eine Strasse, ein Haus oder eine Hochspannungsleitung die Harmonie des eigentlichen Motivs stört. Natürlich ist es heutzutage kein Problem mehr, solche Störfaktoren in der Nachbearbeitung verschwinden zu lassen – je nach dem mit mehr oder weniger Aufwand. Trotzdem versuche ich in solchen Fällen immer zuerst, mich gegenüber dem Motiv so zu positionieren, dass die störenden Elemente möglichst verdeckt oder ausserhalb des Rahmens positioniert werden. Dies nicht nur, weil ich grundsätzlich zu faul bin, zu viel Energie in die Nachbearbeitung eines Bildes zu stecken, sondern auch, weil es mir „redlicher“ scheint – ich manipuliere quasi im Nachhinein nichts mehr 🙂 …

Klar kann man zu Recht sagen, dass auch auf diese Art eine Illusion geweckt wird, und die Enttäuschung eines Betrachters (insbesondere bei Natur- und Landschaftsaufnahmen) wäre vielleicht genau gleich gross, wenn er realisieren würde, dass ich Teile der Realität entfernt habe – ob das jetzt mittels Positionierung vor dem Motiv oder mittels Klonpinsel im Bildbearbeitungsprogramm geschehen ist. Trotzdem halte ich die erste Variante immer noch für die bessere. Und ist es nicht sowieso so, dass wir in der Fotografie oftmals eine Illusion gestalten, schon nur durch die Wahl des Bildausschnittes und der Perspektive?

Ich möchte das Ganze noch anhand eines Beispiels illustrieren. Am Rande einer kurzen Wanderung auf dem Flüelapass entdeckte ich diesen Sommer den wunderschönen Moorsee auf dem Foto unten. Leider war es fast unmöglich, diesen in der vom Licht her passenden Richtung zu fotografieren, ohne dass vorbeifahrende Autos oder das Berggasthaus die Idylle gestört hätten. Nach langer Suche fand ich jedoch doch noch einen Standort, von dem aus alle störenden Objekte durch die umliegenden Felsen abgedeckt wurden. So konnte ich direkt vor Ort die Illusion vom idyllischen, ruhigen Bergsee gestalten. Und wer denkt schon beim Betrachten des Bildes an Motorenlärm? 😉 …

Wie seht ihr das Ganze? Lieber gnadenlos ehrlich sein und die ungeschönte Realität zeigen (denn alles andere ist ja eigentlich Betrug) oder mit geschickter Positionierung und Wahl des Bildausschnittes eine verschönerte Realität abbilden? Wenn ihr mögt, dürft ihr gerne einen Kommentar zum Thema hinterlassen.

Bergsee auf dem Flüelapass
Bergsee auf dem Flüelapass

P.S.: Den Kondensstreifen eines Flugzeugs am Himmel habe ich dennoch nachträglich entfernt. So viel Kosmetik muss schon sein 😉 …

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