Sommer am Gantrisch
Sommer am Gantrisch

Es gibt einen Ort in den Alpen, den ich bisher noch nie bei wirklich idealen Bedingungen besuchen konnte: Das Gantrischseeli. Entweder war das Wetter wirklich übel, oder dann war das Wetter gut, aber es lag noch viel zu viel Schnee, weil der Frühling nicht so richtig vorwärts machen wollte 🙂 … Letzthin unternahm ich bei besten Wetterbedingungen einen weiteren Versuch, diesen hübschen Ort im Naturpark Gantrisch vor die Linse zu nehmen. Allerdings schwante mir, dass die Umstände auch diesmal nicht optimal sein könnten.

Bei der Anreise: Kühe weiden in der Ruhe des frühen Morgens
Bei der Anreise: Kühe weiden in der Ruhe des frühen Morgens

Diesen Sommer herrschte ja in der Schweiz eine langanhaltende Trockenperiode mit wenig bis gar keinem Regen. Und da das Gantrischseeli in den Karten der Landestopografie sogar offiziell als „See mit stark wechselndem Wasserstand“ eingezeichnet ist, war ich mir nicht sicher, ob sich mir vor Ort das Bild bieten würde, das ich erwartete. Und tatsächlich: Schon aus der Ferne erkannte ich, dass der Wasserstand des Sees sehr tief lag, so tief wie ich es noch nie erlebt hatte – und entsprechend war auf den ersten Blick auch das Landschaftsbild nicht perfekt.

Die Sonne scheint auf Felsen am Ufer des Gantrischseeli
Die Sonne scheint auf einige Felsen am Ufer des Gantrischseeli
Reste eines alten Baumstamms
Reste eines alten Baumstamms

Die anfängliche Ernüchterung ob dieses Umstands wich dann aber, als ich erst einmal am Seeufer angekommen war, einer Erkenntnis, die mir sogar Freude machte. Dank des tiefen Wasserstandes waren überall am Ufer und im Wasser Objekte zum Vorschein gekommen, die sonst gar nicht sichtbar gewesen wären. So zum Beispiel kleine Felsen, die dazu noch im Verlauf dieses frühen Morgens teilweise von der Sonne beschienen wurden; Wasserpflanzen, die sonst unter der Oberfläche liegen; oder auch alte Stämme von längst gefallenen und abgestorbenen Bäumen in Ufernähe. So fügte sich doch einiges ins Landschaftsbild ein, auf das ich bei perfekten Bedingungen als bildgestalterische Elemente hätte verzichten müssen.

Das vollständige Panorama - hier kommt das 9-18mm-Objektiv an die Grenzen...
Das vollständige Panorama – hier kommt das 9-18mm-Objektiv an die Grenzen…

Es gab aber einen anderen Punkt, in dem ich – bzw. meine Ausrüstung – an die Grenzen kam. Ich habe ja vor etwa vier Jahren meine komplette Foto-Ausrüstung ausgewechselt und bin von einem APS-C- auf ein spiegelloses Micro-Four-Thirds-System umgestiegen. Über die Gründe dafür sowie die Pros und Contras habe ich damals in einem Artikel hier auf dem Blog geschrieben. Und ich kann sagen, dass ich diese Entscheidung nie bereut habe. Allerdings zeigt sich in einigen wenigen Situationen, dass ich mich mit gewissen Einschränkungen dieser Wahl abfinden muss.

Nur im Hochformat hat alles inklusive Spiegelung bequem Platz...
Nur im Hochformat hat alles inklusive Spiegelung bequem Platz…

Der Horizont am Gantrischseeli ist nicht sehr weit, die Berge stehen nahe am See. Das bedeutet, dass ich ein Weitwinkelobjektiv mit einer sehr kurzen Brennweite benötige, um die Bergwelt inklusive deren Spiegelung auf den Chip bannen zu können. Aufgrund der nötigen kompakten Bauweise wird das beim MFT-System etwas schwierig. Ich habe zwar ein sehr gutes und schönes 7-14mm-Objektiv von Panasonic, aber dies erlaubt es wegen der eingebauten Sonnenblende nicht, einen Polfilter aufzuschrauben, weshalb ich es praktisch nur für Architekturfotografie nutze. Einen Filter kann ich nur beim Olympus 9-18mm-Objektiv anbringen, und bei der Landschaftsfotografie möchte ich auf den Polarizer nicht verzichten. Und in so engen Verhältnissen sind 9mm schon etwas knapp, wie ihr an den Bildern sehen könnt. Ein „grosses“ System gäbe mir hier vielleicht etwas bessere Wahlmöglichkeiten. Nun, das ist mitunter der Preis von Kompromissen 🙂 Aber damit kann ich wie an anderer Stelle gesagt ganz gut leben…

Der Uebeschisee mit Stockhorn
Der Uebeschisee mit Stockhorn

Übrigens: Auf dem Heimweg kam ich noch am Uebeschisee vorbei. Dort war der Horizont grosszügig genug, um auch mit dem Olympus-Objektiv ohne knappe Bildränder zu fotografieren 😉 …

2 Kommentare

  1. Hallo Andreas
    Deinen Beitrag vom Gantrischseeli habe soeben per Zufall entdeckt und mit grossem Interesse gelesen. Ich habe dieses kleine Seelein auch schon lange auf dem „Radar“. War aber auch noch nie bei idealen Lichtverhältnissen dort…
    Deine Bilder sind dir aber gut gelungen!
    Ich habe, wie du, auch das MFT System im Einsatz. Für das geniale Olympus 7-14 gibt es diverse Adapter um auch ohne Filtergewinde Filter zu montieren. Standardmässig sind dort aber 150er Filter notwendig. Es gibt aber einen alternativen 100er Adapter welcher mit ganz wenigen Einschränkungen funktioniert. Polfilter sind dann aber nicht möglich, aber bei diesen starken Weitwinkel sind letztere ohnehin nicht sinnvoll zu gebrauchen, da diese sehr inhomogen über die Fläche wirken (durch den unterschiedlichen Lichteinfall des grossen Winkels). Ich hoffe ich konnte etwas helfen 🙂
    Viele Grüsse und immer gut Licht
    Reto

    1. Hallo Reto

      Vielen Dank für deine positive Rückmeldung und deine Information!

      Das mit dem Filteradapter ist ein hilfreicher Tipp – dies war mir wirklich nicht bekannt. Ich werde mich in dem Fall mal ein bisschen rumschauen 😉 …

      Übrigens: Die Erscheinung mit der inhomogenen Wirkung des Polfilters bei einem grossen Bildwinkel kann in der Landschaftsfotografie durchaus als hinderlich empfunden werden. Ich setzte ihn trotzdem hin und wieder ein, habe das auch schon beim alten APS-C-System mit dem Sigma 10-20mm gemacht. In der Architekturfotografie aber möchte ich auf keinen Fall darauf verzichten…

      Beste Grüsse
      Andreas

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