Während ich im ersten Artikel dieser Serie ein Schweizer Brancheninfo-Portal vorgestellt habe, geht es im zweiten Teil auf das internationale Parkett 🙂 … Eines muss also gleich vorausgeschickt werden: Wer aus dpreview.com einen Nutzen ziehen will, sollte einigermassen englisch verstehen, auch was die fotografietechnischen Fachbegriffe anbelangt.


Wenn diese Voraussetzung aber gegeben ist, dann lässt sich eine schier unglaubliche Vielfalt an Informationen aus dieser Website ziehen. Im Zentrum der Information stehen, wie schon der Domainname nahelegt, Produkt-Reviews. Während aber viele andere (auch deutschsprachige) Portale sich in diesem Bereich mehr oder weniger an der Oberfläche bewegen und/oder tiefergehende Informationen wie Labor-Messwerte nur kostenpflichtig anbieten, gibt es dies bei dpreview.com alles umsonst. Und dazu in einer Tiefe, die es erfordert, für das Studium eines Produkt-Reviews Zeit mitzubringen 🙂 … Wer diese nicht hat, braucht um die Reviews aber keinen Bogen zu machen, denn jeder ist immer nach dem gleichen Schema in einzelne Kapitel unterteilt, von denen also einfach die ausgewählt werden können, die speziell interessieren. Dabei sind sämtliche Tests von reichhaltigem Dokumentations-Material begleitet, so z.B. Beispielbilder in Original-Auflösung, Grafiken, Charts mit Messwerten etc. Bei den meisten Reviews kann das Produkt auch direkt mit anderen Produkten in der gleichen Geräte- und Preisklasse verglichen werden. Mir ist keine andere Seite im Web bekannt, die bei den Produktrezensionen derart in die Tiefe geht, und dies mit einer so hohen Kompetenz und Benutzerfreundlichkeit. Dass die Reviews auch von den Nutzern kommentiert werden können, versteht sich dabei von selbst.

Das erarbeiten solch aufwendiger Reviews braucht natürlich seine Zeit. Darum werden bei wichtigen Neuerscheinungen zunächst einmal sogenannte Hands-On Previews erstellt, bei denen ein Redaktor das Testgerät zuerst einmal in die Hand nimmt, ein bisschen damit herumspielt und über seine Erfahrungen berichtet. Anhand dieses Previews kann man sich schon einen ersten Eindruck verschaffen. Einige Tage oder Wochen danach erscheint dann jeweils der detaillierte In-Depth Review. Selbstverständlich lässt sich auf der Website auch ein Newsletter abonnieren, in dem man neben Neuigkeiten aus der Welt der Fototechnik auch über das Erscheinen neuer Reviews informiert wird.

Doch die Site begnügt sich nicht mit den Reviews – die übrigens nicht nur Kameras abdecken, sondern die ganze Breite an fotografischer Ausrüstung. Es gibt auch andere redaktionell bearbeitete Bereiche wie z.B. News, Editorials oder Meinungsartikel und thematisch gegliederte Diskussionsforen, zudem werden regelmässig Wettbewerbe („Challenges“) ausgeschrieben oder Nutzerumfragen durchgeführt – darunter auch eine jährliche Nutzerwahl der besten Geräte in sämtlichen Produktkategorien.

Natürlich stellt sich bei so einem Reichtum an Information, deren Erabeitung einen riesigen Aufwand bedeutet, zwangsläufig die Frage nach der Unabhängigkeit der Website. Die Gründer von dpreview.com betonten auch bei der Übernahme der Website durch amazon.com im Jahr 2007, dass die bisherige Unabhängigkeit der Berichterstattung gewährleistet sei. Mir ist in all den Jahren, über die ich die Website inzwischen nutze, auch nie irgendeine inhaltliche Färbung oder Bevorzugung bestimmter Marken aufgefallen (was man z.B. bei verschiedenen deutschsprachigen Fotozeitschriften nicht behaupten kann). Werbung und Sponsoring treten für meinem Geschmack nur sehr diskret in Erscheinung.

Die Website hat mir schon bei manchem Kamera- oder Objektivkauf oder auch bei der Beratung von Freunden sehr gute Dienste gleistet. Zudem gefällt mir der subtile Humor der Autoren der Artikel, weshalb ich auch von Zeit zu Zeit wieder Dinge lese, aus denen ich keinen direkten Nutzen ziehen kann 🙂 …
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