
Die vierte (und voraussichtlich letzte) Städtereise dieses Jahres führte uns nach Warschau. Wie schon Hannover ist auch Warschau aus meiner Sicht nicht unbedingt ein zwingendes Reiseziel, und es wurde mehr oder weniger per Zufall ausgewählt. Während der fünf Tage im August begleitete uns mehrheitlich die Sonne, dafür hatten wir mit der Feiertagslage etwas Pech. Neben einem Sonntag lag auch der 15. August (Mariä Himmelfahrt) im Zeitraum unseres Aufenthalts. Für die streng katholischen Polen ist dies nicht nur ein kirchlicher Feiertag, sondern gleichzeitig noch der Tag der Armee. Sprich, nicht nur waren alle Geschäfte und Sehenswürdigkeiten geschlossen, sondern auch gefühlt alle Pärke, Plätze und öffentlichen Verkehrsmittel zum Bersten voll mit Menschen und die ganze Stadt mit Armeematerial überstellt 🙂 … Aber ich will nicht klagen. Wir hatten genügend Gelegenheit, einige interessante Facetten der Stadt zu entdecken, und so gross ist Warschau auch nicht, dass man durch solche Umstände viel verpassen würde.

Ich möchte diese kleine Artikelserie über Warschau nach den drei Aspekten der Stadt gliedern, die mir ins Auge gestochen sind: Die polnische Hauptstadt hat ein historisches, ein modernes und ein königliches Gesicht. Fangen wir mit dem historischen an.


Interessanterweise wird in Warschau nicht die Altstadt als Zentrum bezeichnet, sondern das Geschäfts- und Gewerbequartier Sródmieście um den Zentralbahnhof. In diesem Stadtteil hatten wir unser Hotel, und von dort aus trennte uns ein halbstündiger Fussmarsch (oder zwei Metro- und eine Tramstation) von der Altstadt. Dieser Fussmarsch führt durch eine lange, schöne Strasse voller Läden und Restaurants, die Krakowskie Przedmieście, an der auch die Gebäude der Warschauer Universität, die Heilig-Kreuz-Kirche und der Präsidentenpalast liegen. Am Ende der Strasse öffnen sich die Häuserzeilen und geben den Blick frei auf einen schönen, grossen Platz.


Der Zamkowy-Platz ist von Süden her das grosszügig angelegte Eingangstor zum Kern der Altstadt. Hübsche, farbige Hausfassaden, ein Teil der aus rotem Backstein gefertigten Stadtmauer und das königliche Schloss prägen das Bild und laden dazu ein, weiter auf Entdeckungstour zu gehen – bei Bedarf sogar mit einer Pferdekutsche. Es gibt viele gemütliche Ecken in dieser Altstadt – auch wenn sie zurzeit einer grossen Baustelle gleicht. Viele der Hausfassaden haben offenbar eine Auffrischung nötig und sind deshalb eingerüstet. Das schmälert aber den Charme dieses Quartiers mit seinen Gässchen, den Kirchen und der Stadtmauer, dem Altstadtmarkt und seinen zahlreichen Strassencafés oder der angrenzenden Neustadt mit der ulica Freta und dem Neustadtmarkt nicht gross – und es ist ein Zeichen dafür, dass man auch im historischen Teil Warschaus an die Zukunft denkt…


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