Wie ich im Einführungs-Beitrag über unsere Jubiläumsreise erwähnt habe, werde ich in den kommenden Beiträgen nicht in chronologischer Reihenfolge über die Reise berichten. Vielmehr werde ich mich bei der Reihenfolge der Erscheinung nach dem Gewicht der Eindrücke richten, die der Ort oder das Thema bei mir hinterlassen hat. Oder dies zumindest versuchen, denn wir durften wirklich viel Schönes und Eindrückliches erleben, und von daher ist eine Gewichtung schon fast etwas unfair 🙂 … Den unbestrittenen ersten Platz nimmt bei mir aber die Insel Vågsøy ein. Der Grund dafür ist, dass wir dort der beeindruckenden norwegischen Natur während der ganzen Reise am nächsten kamen.


Der Nachteil einer Kreuzfahrt ist ja, dass die eigene Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt ist. Entweder ist man auf dem Schiff unterwegs oder man hat ein relativ beschränktes Zeitfenster an Land zur Verfügung, das man entweder für Erkundungen zu Fuss oder für einen von der Reederei organisierten Landausflug nutzt. Die zweite Möglichkeit hat den Vorteil, dass man einen viel weiteren Radius um den Ort ziehen kann, an dem das Schiff angelegt hat. Dafür ist man mit achzig anderen Leuten im Bus, die im schlimmsten Fall jedes Fotomotiv verstellen 🙂 und die Stopps sowie die dort jeweils verfügbaren Zeitfenster sind natürlich vorgegeben.


Auf dem Landausflug auf Vågsøy fielen beide Nachteile nicht so sehr ins Gewicht. Die Leute verteilten sich schnell und gut, und wir hatten an beiden Stopps – sogar für meine fotografischen Bedürfnisse – genügend Zeit zur Verfügung. Darüber hinaus reihte sich auf dieser Fahrt ein landschaftliches Highlight an das andere. Wir bekamen schon fast ein wenig „Norway in a nutshell“ zu sehen. Die Fahrt startete im Hafen von Måløy, dem Hauptort der Insel, und führte uns zunächst quer über die bergige Insel zum Revfiksanden. Dieser wunderschöne, weisse Sandstrand – der in der Vergangenheit sogar schon einmal zum schönsten Norwegens gekürt worden war – lag um diese Uhrzeit noch ganz einsam und ruhig da, und die Wellen des Antlantiks brachen sich leise am Ufer. Während unseres Besuch bahnte sich das Sonnenlicht langsam den Weg über den Strand und verdrängte die Schatten mehr und mehr.


Der nächste Stopp war der Leuchtturm Kråkenes Fyr an der nördlichsten Spitze der Insel. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis, da die Strasse zu einem grossen Teil über die Berge führt und praktisch pausenlos Aussicht auf Bergseen und die eindrückliche, raue Steilküste bietet. Der Leuchtturm selber ist eher unscheinbar, seine Lage an der felsigen Landzunge hingegen spektakulär. Normalerweise sagt man, hier sei einer der windigsten Orte Norwegens. Wir aber durften von so schönem und ruhigem Wetter profitieren, dass wir diesen Aspekt gar nicht kennen lernten. Aber darüber bin ich ehrlich gesagt gar nicht traurig 😉 …

Der letzte Teil der Fahrt wäre eigentlich einem Besuch des Kannesteinen gewidmet gewesen. Da die Strasse aber vorübergehend für grosse Fahrzeuge gesperrt war, konnten wir dort nicht mehr hinfahren. Aber unter uns gesagt: Wer will denn schon das millionste Foto von einer derart bekannten Sehenswürdigkeit machen 😉 Stattdessen machten wir noch einen Stopp auf der Insel Moldøen vor Måløy, wo es einen kleinen Park und den Blick auf eine der ehemals grössten Brücken Norwegens gibt. Diesen Teil, der eher eine Verlegenheitslösung war, hätten wir uns meiner Meinung nach sparen können. Aber das, was wir auf dem Rest des Ausflugs erlebt und gesehen haben, hat sich wirklich gelohnt – und darüber hinaus meiner Frau, die zum ersten Mal in Norwegen war, einen sehr guten Eindruck von der Natur dieses Landes verschafft.




