Wie ich an dieser Stelle schon öfters festgehalten habe, sind gewisse – wahrscheinlich die meisten – Fotos das Resultat von mehr oder weniger intensiver Planung entweder in Bezug auf das Motiv, die Tour oder die Location. Andere hingegen fallen einem einfach zu (ja, auch das gibt es 🙂 …). Und bei einigen handelt es sich um eine Mischung von beidem.

Das Foto, das ich heute vorstelle, gehört zu dieser Kategorie. Bei der Kirche, die mir Modell gestanden hat, handelt es sich um ein Motiv, das ich vor langer Zeit schon einmal bei einem befreundeten Fotografen entdeckt und das damals eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt hatte. Darum wollte ich diesen Ort in der Folge auch einmal aufsuchen und versuchen, meine eigene Interpretation des Motivs zu schaffen.

Dies stellte sich jedoch als nicht ganz einfach heraus, denn ich wusste nur der Spur nach, wo die Kirche mit den sonst eher in der Toscana anzusiedelnden Zypressenalleen steht, und meine ersten Versuche, sie aufzufinden, endeten auf irgendwelchen Irrwegen in der Gegend um Lugano. Dann geriet die Location bei mir wieder in Vergessenheit. Bis… Ja, bis ich auf dem Heimweg von meiner kürzlichen Reise nach Norditalien per Zufall an ihr vorbeifuhr. Da ich im Tessin noch einen Besuch bei Bekannten unternahm, hatte ich für die letzte Nach meiner Reise ein Hotel in Montagnola gebucht – und diese Kirche mit dem Namen Sant’Abbondio befand sich keine fünf Minuten davon entfernt. Natürlich liess ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen und sorgte dafür, beim Eindunkeln vor Ort zu sein.

Doch dann passierte etwas Unerwartetes. Noch bevor ich Stativ und Kamera in Stellung gebracht hatte, zogen plötzlich Nebelschwaden auf, und ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen vor Ärger. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Sollten mir diese Nebelschwaden nun das Bild vermasseln? Doch dann schaute ich genauer hin und stellte fest: Genau diese Nebelschwaden sorgten in Kombination mit der Beleuchtung, der Dämmerung und dem im Südtessin eher seltenen Umstand, dass die ganze Gegend in Schnee gehüllt war dafür, dass die Szene eine ganz besondere Stimmung und Mystik ausstrahlte. So wurde das Foto „La chiesa in nebbia e neve“ schon kurz nach seiner Entstehung zu einem meiner Lieblingsfotos. Und dies, obwohl sich die Nebelschwaden kurz danach wieder verzogen. Aber all die nachfolgenden Fotos, die ich noch aufnahm, hatten nicht annähernd denselben Reiz, der durch Umstände begünstig wurde, über die ich mich zuerst geärgert hatte 🙂 …

Die Kirche Sant'Abbondio in Gentilino
Die Kirche Sant’Abbondio in Gentilino

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