Der erste Bergsee auf dem Weg
Der erste Bergsee auf dem Weg mit Piz Murtaröl und Piz Murterchömbel

Rund um die Schweizer Alpenpässe finden sich immer wieder sehr lohnenswerte Wander – und Fotoreviere. Einige davon habe ich hier auf dem Blog auch schon vorgestellt – eine Suche z.B. nach dem Stichwort Alpenpass ergibt schon einige Resultate, oder auch in der Kategorie Fotowanderungen finden sich ein paar davon. Die meisten Touren sind dabei jüngeren Datums, aus der Zeit vor etwa drei, vier Jahren, als ich mich praktisch in jeder freien Minute irgendwo in den Bergen herumtrieb 🙂 … Allerdings stellte ich vor Kurzem beim Blick in mein Archiv fest, dass ich schon früher den Vorzug der guten Erreichbarkeit der Alpenpässe nutzte, um hochalpine Wanderungen zu absolvieren.

Einer dieser Pässe, den ich vor allem in früheren Jahren besuchte, ist der Flüela-Pass, der das Davoser Hochtal mit dem Unterengadin verbindet. Ich entdeckte die Schönheit und Anziehungskraft dieses Passes eher beiläufig, als wir ihn im Rahmen einer dreitägigen Geologie-Exkursion ins Südtirol mit meiner DMS-Klasse auf dem Nachhauseweg überquerten. Irgendwann kehrte ich dann wieder hierher zurück, um die Umgebung dieses Alpenübergangs etwas näher zu Fuss zu erkunden. Es gibt zwei sehr schöne Rundwanderungen, die sich von der Passhöhe aus innerhalb eines Tages machen lassen. Ich werde beide hier vorstellen. Den Anfang macht die Runde über die Fuorcla Radönt. Etwas später folgt dann die Wanderung über die Winterlücke.

Blick ins hintere Val Grialetsch
Wunderschöne Wolkenspiegelung im See – diesmal mit Blick ins hintere Val Grialetsch
Blick zurück in Richtung Flüelapass
Blick zurück in Richtung Flüelapass

Diese beiden Namen zeigen auch gleich, in welcher Gegend wir uns hier befinden: Auf der Grenze zwischen der deutschsprachigen Landschaft Davos und dem rätoromanischen Engadin. Gleichzeitig handelt es sich auch um eine Wasserscheide. Im Osten des Passes fliesst die Susasca durch das gleichnamige Tal in den Inn, und in westlicher Richtung entwässert der Flüelabach in die Landwasser und irgendwann in den Rhein. Unsere erste Wanderung beginnt kurz unterhalb der Passhöhe, auf 2262m Höhe auf einem kleinen Parkplatz, erkennbar an den typischen gelben Wegweisern. Von dort aus steigt der Weg zunächst in östlicher Richtung an bis zu einer kleinen Alphütte, um dann der Flanke des tief unterhalb liegenden Val Grialetsch zu folgen. Von diesem Wegstück aus geniesst der Wanderer bereits einen herrlichen Blick auf die Unterengadiner Gipfel.

Kurz vor der Fuorcla Radönt gibt es nur noch Felsen...
Kurz vor der Fuorcla Radönt gibt es nur noch Felsen…
Der Höhepunkt der Runde ist erreicht
Der Höhepunkt der Runde ist erreicht

Bereits nach kurzer Zeit kommt man an einem Bergsee vorbei, in dem sich bei Windstille die umliegenden Gipfel spiegeln, und quert einen Seitenbach der Aua da Grialetsch. Nach ca. 4,5km erreicht man die Grialetsch-Hütte, die im Sommer für Übernachtungen zur Verfügung steht. Hier verzweigt sich der Weg. Zum einen könnte man von hier aus über die Fuorcla da Grialetsch ins Dischmatal absteigen und den langen Weg nach Davos unter die Füsse nehmen. Unsere Wanderung aber führt noch weiter hinauf zur 2785 Meter über Meer gelegenen Fuorcla Radönt. Auf dieser Höhe gibt es natürlich nur noch Wasser und Fels, aber der Aufstieg lohnt sich sehr. Diese hochalpine Landschaft gehört mit zu den schönsten, die ich auf meinen Wanderungen gesehen habe. Dieselben Engadiner Gipfel, deren Anblick den Wanderer schon den ganzen Weg hierher erfreut hat, bilden nun einen schönen Rahmen für die kleinen Bergseen auf diesem Übergang.

Hier zeigt die karge Landschaft ihr schönstes Gesicht
Hier zeigt die karge Landschaft ihr schönstes Gesicht

Während sich die Höhenmeter auf dem Weg zur Fuorcla einigermassen verteilt haben, ist der Abstieg durch den Felsenkessel von Radönt, vom Sattel hinunter zum Flüelapass etwas steiler. Es ist Geschmackssache, ob man die Wanderung in der von mir vorgeschlagenen Richtung unternehmen will oder zuerst den steilen Aufstieg wählt. Für Fotografen hängt es natürlich auch zu einem grossen Teil von der Lichtrichtung ab. Wer frühmorgens startet, sollte vielleicht die umgekehrte Richtung wählen, da sonst das Panorama auf der Fuorcla und im Val Grialetsch noch im Gegenlicht liegt. Mit einer App wie TPE lassen sich diese Gegebenheiten ja hervorragend einplanen 😉 …

Profil der Rundwanderung
Profil der Rundwanderung (von map.geo.admin.ch)
  • Anreise: mit Zug und Postauto via Davos zum Flüelapass
  • Ausgangs- und Endpunkt: Punkt 2262 unterhalb des Passes
  • Zeitbedarf: Die reine Wanderzeit für die Runde beträgt ca. dreieinhalb Stunden
  • Höhendifferenz: je 621 Meter Auf- und Abstieg
  • Verpflegungsmöglichkeiten: im Flüela Hospiz

3 Kommentare

  1. Ich wanderte vor ein paar Tagen vom Flüelapass über die Fuorcla Radönt zur Grialetschhütte. Aufstieg kein Problem. Die Landschaft mit den Seelein auf der Fuorcla fantastisch. Der Weg hinügber zur Hütte jedoch nicht so toll. Musste 3 recht schwierige Geröllfelder queren. Wenn man alleine unterwegs ist, eher etwas risikoreich. Von den Geröllfeldern steht in ihrem Bericht nichts. Wäre aber sehr informativ gewesen.

    1. Guten Tag Herr Wegmann

      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar und die ergänzenden Hinweise. Ich hatte beim Beschreiben der Wanderung keine schwierigen Geröllfelder zwischen Grialetschhütte und Fuorcla in der Erinnerung. Das kann zum einen daran liegen, dass „schwierig“ für jeden Wanderer etwas anders definiert wird, oder auch daran, dass gerade in den Bergen die Wege und die Landschaft im Laufe der Zeit Veränderungen unterworfen sind. Auch bin ich den Weg in der umgekehrten Richtung gegangen, und bergauf sind schwierige Stellen bekanntlich immer einfacher zu bewältigen als bergab.

      Bei meinen Berichten geht es auch eher darum, anderen Fotografen aufzuzeigen, wo sich lohnenswerte „Reviere“ befinden und was man dort vorfinden kann. Sie sind nicht als detaillierte Wanderführer zu verstehen – dafür sind sie auch viel zu kurz.

      Freundliche Grüsse
      Andreas Lanz

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