Es liegt in der Natur des Fotografen, behaupte ich jetzt einmal, ohne dies wirklich belegen zu können 🙂 dass er für seine Bilder – unter anderem – Anerkennung von anderen erhalten möchte. Dies ist durchaus legitim – anderen Menschen mit anderen kreativen Hobbies geht das sicher auch so – und kann auch ganz verschiedene Formen annehmen. Während einer gewissen Phase meines Fotografen-Lebens war die für mich wichtigste Form der Anerkennung der Erfolg in Wettbewerben. Ich habe in einem früheren Artikel zu diesem Thema bereits ein paar Gedanken publiziert. Es klingt im genannten Artikel vielleicht ein bisschen so, als wäre ich heute komplett gegen das Verlangen nach Anerkennung gefeit 😉 Aber wie gesagt, ich bin sicher, dass es keinen Fotografen gibt, der das wirklich ist.

Eine gute Möglichkeit, von einem breiten Publikum eine Rückmeldung zum eigenen Schaffen zu erhalten, ist die Teilnahme an einer Fotocommunity oder die Präsentation der eigenen Werke auf Social Media. Auf diesem Weg kommt man als Fotograf zu Reaktionen auf die gezeigten Bilder, aber das kann schnell auch einmal frustrierende Dimensionen annehmen. Auch ist es schwierig, anhand des so erhaltenen Response auf den Wert eines Fotos zu schliessen. Diese Aspekte möchte ich im Folgenden etwas ausführen. Und verzeiht mir bitte, wenn ich als Beispiele Bilder beiziehe, die ihr hier auf dem Blog vielleicht schon einmal gesehen habt 🙂 …

Jedes Feedbacksystem im Internet hat eine andere Ausprägung. Es gibt ganz einfache Varianten, bestehend aus „Likes“ und Kommentaren. Diese sind wohl die verbreitetsten, so funktioniert es beispielsweise auf Instagram oder Flickr. Dann gibt es auch Fotocommunities mit einem etwas ausgeklügelteren Bewertungssystem, wie z.B. 500px.com. Zwar gibt man dort auch „Likes“ oder „Faves“, aber aus diesen und unzähligen anderen Faktoren wird ein sogenannter „Puls“ berechnet. Ab 70 Punkten erscheint dort ein Foto unter „Upcoming“, ab 80 Punkten unter „Popular“ – zwei eigene Bereiche der Website. Vielfach ist es komplett unmöglich, hinter den Algorithmus zu kommen, nachdem eine solche Bewertung errechnet wird. So soll es ja auch sein, denn sonst wären Manipulationen Tür und Tor geöffnet (was ja, sofern keine kommerziellen Möglichkeiten dahinterstecken, nichts anderes als Selbstbetrug wäre).

Ist es also klug, aus Menge und Art der Reaktionen auf ein Foto in der virtuellen Community abzuleiten, ob es sich beim präsentierten Bild um ein gutes handelt oder nicht? Wohl kaum. Allenfalls lässt sich mit einer gewissen Erfahrung und unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren eine Annäherung an die Antwort auf diese Frage erzielen. Und dies sind meiner Meinung nach die wichtigen Faktoren:

Wie oft wird das Bild überhaupt gesehen? Dies ist einerseits stark davon abhängig, wie eine Community organisiert ist und was technisch dahintersteht. Der Algorithmus, der zum Beispiel bei Instagram darüber entscheidet, wem ein Beitrag präsentiert wird, ist völlig undurchsichtig. Nicht einmal die persönlichen Follower bekommen alles zu Gesicht. Ein öffentliches anstatt eines privaten Profils und die Verwendung gewisser (nicht zu allgemein gehaltener) Hashtags, nach denen die Leute suchen, steigern sicher die Chance darauf, gesehen zu werden. Bei Flickr ist es klar, dass die Bilder häufiger gesehen werden, wenn sie in den Gruppen gepostet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Foto auf der Seite „Explore Flickr“ auftaucht, ist bei mehreren Millionen Uploads täglich extrem klein und unterliegt ebenfalls einem undurchsichtigen und unlogischen Algorithmus. Bei 500px.com muss man entweder das Glück haben, bei den neuen Fotografen gelistet zu werden oder aber die Geduld aufbringen, durch das Bewerten von Bildern anderer einen eigenen Follower-Kreis aufzubauen. Das kann teilweise Jahre dauern – was in dieser Form wahrscheinlich sowieso für die meisten Fotocommunities gilt.

Mein meistgesehenes und -geliktes Bild auf Flickr. Mit über 106'000 Views und 965 Likes weist es aber eine ziemlich schlechte Quote auf (0,9%!). Ein "gutes" Bild kommt in der Regel auf etwa 10%. Die vielen Views sind wahrscheinlich dem Umstand zu verdanken, dass es per Zufall in Explore aufgetaucht ist und viele Leute halt Sonnenuntergänge mögen...
Mein meistgesehenes und -geliktes Bild auf Flickr. Mit über 106’000 Views und 965 Likes weist es aber eine ziemlich schlechte Quote auf (0,9%!). Ein „gutes“ Bild kommt in der Regel auf etwa 10%. Die vielen Views sind wahrscheinlich dem Umstand zu verdanken, dass es per Zufall in Explore aufgetaucht ist und viele Leute halt Sonnenuntergänge mögen…

Von wem wird das Bild gesehen? Der Aufbau eines Follower-Kreises über Monate und Jahre hat den Vorteil, dass man sich quasi mit Leuten umgibt, die sich durch den eigenen Stil angesprochen fühlen. Man gewinnt diese Leute aber nur dadurch, dass man sich auch mit ihrem Schaffen befasst und sie das spüren lässt – durch das verteilen von „Likes“ und das Schreiben von Kommentaren. Es lohnt sich aber immer auch, Fotografen mit einem komplett anderen Stil zu folgen – das ist oftmals inspirierender als sich nur mit Gleichgesinnten zu umgeben. Wenn der Follower-Kreis mit der Zeit eine gewisse Grösse angenommen hat, wird auch das erhaltene Feedback wertvoller, weil man weiss, von wem es kommt und wer sich beim Abgeben der Bewertung was überlegt haben könnte. Auch ein Blick auf die Profile unbekannter Rückmelder zeigt rasch, ob es sich um ein „qualifiziertes“ Feedback handelt oder um ein „Like“ von jemandem, der einfach jedes farbige Foto schön findet…

Wann wird das Bild gesehen? In den meisten Communities werden frisch hochgeladene Bilder stärker wahrgenommen als ältere – was wahrscheinlich an den zugrunde liegenden Algorithmen liegt. Besonders bei 500px beobachte ich immer wieder ein interessantes Phänomen. Ein Foto, das kurz nach dem Hochladen gar nicht so richtig zieht, wird ein paar Tage später plötzlich von der Community entdeckt und erhält nach einer Pause plötzlich wieder Views und Faves. Der „Puls“ des Bildes geht dann zwar nicht mehr in die Höhe, dies geschieht nur während der ersten 24 Stunden. Solche Rückmeldungen finde ich persönlich trotzdem wertvoller, auch wenn nicht ganz klar ist, was zu dieser nachträglichen Aufmerksamkeit führt. Sie zeigen mir, dass ein Bild eine Anziehungskraft hat, die über den Moment des Neuen hinausgeht. Vielleicht wurden sie irgendwo in einer viel besuchten Galerie gezeigt oder redaktionell von den Seitenbetreibern ausgewählt. Oder es handelt sich um Rückmeldungen von Leuten, die das Profil regelmässig besuchen.

Hier ein Beispiel für ein Bild, das auch lange nach dem Upload auf 500px.com und damit nach der Anstiegsphase des "Puls" noch sehr oft gelikt wird. Offensichtlich ist es eines, das Fotografen anspricht. Auf Instagram wurde es anfänglich auch oft gelikt, aber heute wird es nicht mehr wahrgenommen.
Hier ein Beispiel für ein Bild, das auch lange nach dem Upload auf 500px.com und damit nach der Anstiegsphase des „Puls“ noch sehr oft gelikt wird. Offensichtlich ist es eines, das Fotografen anspricht. Auf Instagram wurde es anfänglich auch oft gelikt, aber heute wird es nicht mehr wahrgenommen.

Wie viele der Betrachter mögen das Bild? Hier kommen wir nun zu einem der für mich wichtigsten Indikatoren. Viele Communities zeigen nicht nur die „Likes“ oder „Faves“ an, sondern auch die Views. Und das Verhältnis von Views zu „Likes“ sagt meiner Meinung nach mehr aus als die reine Anzahl an „Likes“. Ein Bild, das zwar zweitausend Mal gesehen wird, aber nur zwanzig Betrachtern ein „Like“ entlockt, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht so gut wie eines, das zwar nur zweihundert Mal gesehen wurde, aber ebenfalls zwanzig „Likes“ hat. Das Verhältnis zwischen Views und Reaktionen gibt also sicher einen guten Anhaltspunkt über die Qualität eines Bildes. Ein ähnlicher Wert ist das Verhältnis zwischen der Anzahl eigener Follower und den „Likes“ eines Bildes. Wenn man mit der Zeit mehr Reaktionen bekommt, kann das auch einfach daran liegen, dass man inzwischen einen grösseren Follower-Kreis hat. Sind aber „Likes“ bei einem aktuelleren Bild proportional häufiger, kann das auch als Indikator beigezogen werden.

Beispiel für ein Loser-Bild, sowohl auf Flickr als auch auf 500px.com. Architektur-Fotos haben es allgemein schwerer als schöne Landschaftsfotos. Interessanterweise schnitt dieses Foto auf Instagram besser ab als an den anderen Orten.
Beispiel für ein Loser-Bild, sowohl auf Flickr als auch auf 500px.com. Architektur-Fotos haben es allgemein schwerer als schöne Landschaftsfotos. Interessanterweise schnitt dieses Foto auf Instagram besser ab als an den anderen Orten.

Wie oft wird ein Bild kommentiert? Dies ist meiner Meinung nach der zweitwichtigste Faktor. Ein „Like“ kostet den Betrachter nichts und ist schnell verteilt. Einen Kommentar zu schreiben hingegen kostet den Besucher doch einige Mühe. Ein Bild, das Kommentare erhält, ist also sicher besser als eines, das nur gelikt wird. Natürlich sind nicht alle Kommentare gleich wertvoll. Viele Menschen schrieben nur Dinge wie „Great capture“ oder „Wow“. Aber auch so ein Kommentar ist in meinen Augen noch immer mehr Wert als ein einfaches „Like“. Noch viel besser sind Kommentare, die wirklich auf das Bild eingehen und in denen der Autor mitteilt, was ihm gefällt und was nicht. Ich selber bemühe mich immer, solche sinnvollen Kommentare zu schreiben (und auch zu beantworten!). Etwas Vorsicht ist sicher bei Kommentaren geboten, die – wie z.B. oft bei Flickr – mittels Copy&Paste eingefügt werden, um für die eigene Gruppe Werbung zu machen. Diese sind für mich eher auf der Stufe eines „Likes“ anzusiedeln.

Wie schneidet das Bild im Quervergleich ab? Oftmals poste ich ein Bild auf verschiedenen Plattformen. Dann kann es durchaus vorkommen, dass das Bild auf der einen Plattform grossen Zuspruch findet, auf der anderen schlechte Resonanz erhält. Dann lohnt es sich sicher, sich zu überlegen, wie sich das jeweilige Publikum zusammensetzt. Auf 500px.com, wo sich vor allem Fotografen tummeln, sagt eine gute Bewertung vielleicht mehr über den fotografischen Wert aus, während auf Instagram, wo sich neben Fotografen auch viele Freunde und Arbeitskollegen – und im Fall eines öffentlichen Profils – auch einfach durchschnittliche Nutzer bewegen, vielleicht eher der emotionale Wert eines Fotos im Vordergrund steht. Allerdings gilt es auch zu berücksichtigen, dass ein Foto bei Instagram aufgrund des kleinen Bildformats nicht gleich gut wirkt wie auf richtigen Fotoplattformen.

Dieses Foto vom Faulhorn erreichte bei 500px.com lediglich 177 Views und einen Puls von "nur" 91.4 - aber ein View-Like-Verhältnis von rund 25%, was eines der höchsten aller meiner Bilder ist.
Dieses Foto vom Faulhorn erreichte bei 500px.com lediglich 177 Views und einen Puls von „nur“ 91.4 – aber ein View-Like-Verhältnis von rund 25%, was eines der höchsten aller meiner Bilder ist.

Dies sind so in aller möglichen Kürze dargestellt die Faktoren, die zur realistischen Einschätzung der Bewertung eines Fotos führen können. Vielleicht gibt es noch mehr davon – ihr dürft gerne eure Meinung als Kommentar unten hinterlassen. Ich hoffe auch, dass ich die Gedanken mit den gewählten Beispielen etwas untermalen konnte. Als wichtigste Erkenntnis bleibt nach diesen Betrachtungen wohl, dass es gar nicht so einfach ist, von den Reaktionen der Betrachter auf den effektiven Wert eines Bildes zu schliessen. Und schlussendlich gibt es ja auch die Situation, dass man als Fotograf selber an einem Bild enorm Freude hat, es aber in der Community überhaupt nicht auf entsprechende Resonanz stösst. Davon darf man sich nicht frustrieren lassen. Denn nach wie vor ist mein Credo in diesem Bereich: In allererster Linie fotografiere ich, damit ich selber Freude an meinen Fotos habe! Das ist es schlussendlich, was den Wert eines Bildes ausmacht. Wenn die Anerkennung anderer noch dazu kommt, dann ist das sicher ein Plus – aber nicht der Zweck der meiner Fotografie…

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