Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern, wo ich über eine Web-Anwendung Postkarten verschickte, die ich aus eigenen Fotos gestaltet hatte. Das ist lange, lange her, und es war eine Riesen-Enttäuschung – denn trotz hoher Auflösung der Fotos brachte der Anbieter nicht mehr zustande, als zwei miserable Postkarten zu drucken, die schlicht nur als Pixelmatsch bezeichnet werden konnten. Entsprechend gross war meine Enttäuschung, und ich schenkte dieser eigentlich interessanten hybriden Dienstleistung keine weitere Aufmerksamkeit – meine damals gekauften Credits schlummern noch heute auf diesem Konto 🙂

Inzwischen sind einige Jahre vergangen, in denen sich, so dachte ich, einiges getan haben müsste. So liess ich mich von einer App-Rezension in einem Android-Magazin dazu verleiten, trotz der damaligen schlechten Erfahrung einem neuen Anbieter eine Chance zu geben. Zumal es mir interessant schien, mit der App Touchnote die Möglichkeit zu bekommen, gedruckte Postkarten aus eigenen Fotos auch von einem mobilen Gerät aus zu verschicken.

Der Texteingabebereich im Webbrowser
Der Texteingabebereich mit Schriftauswahl im Webbrowser

Farbauswahl
Die Auswahl an Schriften und Farben ist nicht gerade berauschend

Touchnote gibt es als App für Android und iOS sowie als Web-Applikation im Browser. Am Anfang der Nutzung steht, wie könnte es anders sein, die Eröffnung eines Touchnote-Kontos. Ist dieser wenige Mausklicks erfordernde Schritt erledigt, kann man sich Credits kaufen, die dann für die Produktion und den Versand der Karten verwendet werden. Aktuell kostet ein Credit 1€99, mit diesem kann eine Postkarte verschickt werden. Für eine gefaltete Grusskarte muss man zwei seiner Credits dran geben. Die Credits werden in Packages gekauft, wobei je nach Menge eine Anzahl Gratis-Credits inbegriffen ist und die Karten somit günstiger werden. Interessanterweise steht die Web-Applikation übrigens nur in Englisch zur Verfügung, während die Apps auch auf Deutsch übersetzt sind (wenn auch nicht allzu stilsicher 🙂 ).

Nach erfolgreichem Credit-Erwerb mittels Kreditkarte oder via PayPal geht es also ans Gestalten der Karte bzw. an die Auswahl und das Hochladen des Fotos. Das Foto auf der Vorderseite kann auch mit Text mit oder ohne Hintergrund oder in Sprechblasen ergänzt werden. Nachteil dabei: Das Foto muss im Seitenverhältnis 4:3 vorliegen, sonst wird es beschnitten. Für SLR-Fotografen kann das unter Umständen ein Problem darstellen. im Anschluss wird auf der Rückseite der Karte der Nachrichtentext erfasst – mit maximal 220 Zeichen inklusive Anrede und Grussformel kann man dabei aber nicht zu ausschweifend werden. Leider stehen nur wenige Schriften und Farben zur Verfügung.

Überprüfung der Karte inklusive Text
Die Karte inklusive Text wird vor dem Verschicken natürlich nochmals überprüft
Das Adressbuch von Touchnote
Das Adressbuch von Touchnote

Beim abschliessenden Festlegen der Empfängeradressen kann man entweder neue Adressen erfassen oder auf bestehende zurückgreifen – freundlicherweise merkt sich Touchnote die bisherigen Empfänger meiner Kunstwerke in einer Art Adressbuch. Positiv darf auch hervorgehoben werden, dass Touchnote auf der Website genaue Angaben zu den Anforderungen an die Auflösung der Fotos macht – das hätte ich mir z.B. schon bei manchem Fotobuchanbieter so gewünscht – sowie zu den Lieferfristen für die verschiedenen Weltgegenden. Allerdings sind sie für die Schweiz nicht zutreffend. Touchnote gibt an, dass die Karten für Westeuropa in Deutschland gedruckt werden und den Empfänger in 2 – 4 Werktagen erreichen. Effektiv werden sie auf Guernsey gedruckt und brauchten auch schon bis zu sieben Werktage. Wenn man es weiss, kann man sich danach richten…

Übersicht der letzten verschickten Karten auf dem Smartphone
Übersicht der letzten verschickten Karten

Interessant an Touchnote ist wie gesagt die Möglichkeit, über mobile Apps ebenfalls Karten von seinem Konto zu verschicken. Wenn man über ein Mobilgerät mit guter Kamera verfügt, lassen sich so z.B. direkt von einer Reise persönliche Karten verschicken. Nachteilig ist mir dabei aufgefallen, dass sich die App nicht anpasst, wenn man den Smartphone-Bildschirm quer hält. Das wäre vor allem zum Schreiben des Texts und in Sachen Übersicht wünschenswert. So sieht halt alles schon ein bisschen klein aus, vor allem der Bildschirm zum Prüfen der Karte vor dem Abschicken. Was ich in der App nicht gefunden habe, ist eine Möglichkeit zum Anpassen von Schrift und Farbe sowie zum Beschriften des Fotos auf der Frontseite, auch lässt sich die Karte am Schluss im Gegensatz zur Web-Applikation nicht mehr anpassen. Dies kann jedoch umgangen werden, indem man im Bestellprozess einfach einen Schritt zurückgeht. Das Drehen und Zoomen des Fotos wird in der App mittels Wischgesten vorgenommen. Alles in allem ist das Handling der App akzeptabel – ich ziehe es jedoch vor, wenn möglich mit dem Tablet zu arbeiten. Dort macht die App übrigens auch die Bildschirm-Rotation mit.

Darstellung auf dem Smartphone
Leider etwas klein, die Darstellung auf dem Smartphone

Die App stellt, wenn man sich anmeldet, sämtliche Kontoinformationen zur Verfügung, inklusive Adressbuch und Übersicht der letzten verschickten Karten. Interessant: In der Web-Applikation wurde mir beschieden, dass Karten nur drei Monate gespeichert werden – in der App wurde aber auch eine im Oktober 2013 verschickte Karte angezeigt, sogar mit Foto…

Was mich natürlich am Schluss am meisten interessierte, war die Qualität der gedruckten Karten – da ich ja in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind war. Und hier kann man sagen: Die Qualität lässt sich wirklich sehen! Überraschenderweise lagen die ersten beiden von drei georderten Karten diesmal im Gegensatz zu der letzten Bestellung bereits nach drei Tagen bei mir im Briefkasten, die letzte folgte tags darauf. Die Frontseite der Karte kommt mit einem weissen Rand von etwa 3-5mm um das Foto – leider nicht ganz zentriert ausgerichtet. Die Druckqualität des Fotos und auch des Textes auf der Rückseite ist aber 1a. Die Fotos sind gestochen scharf, und das obwohl ich die minimal erforderliche Auflösung für den Upload gewählt habe. Beide Seiten der Karte sind auf Hochglanz-Oberfläche gedruckt, was zusätzlich für einen edlen Touch sorgt. Kurzum: Es macht Freude, so eine Karte in den Händen zu halten 🙂

Die fertigen Karten
Die fertigen Karten können sich sehen lassen…

Fazit: Das Erstellen von Karten aus seinen schönsten (Ferien-)Fotos mit Touchnote macht Spass, ist einfach und die Resultate sind überzeugend!

Übrigens: Kurz nach Entstehung des Entwurfs zu diesem Artikel hat die Schweizerische Post auch einen PostCard Creator lanciert. Dieser richtet sich mit der Möglichkeit, massenweise Karten zu verschicken, zwar vor allem an Geschäftskunden, aber ich werde ihn trotzdem bei Gelegenheit noch testen. (Er ist leider zur Zeit nur für iOS verfügbar…)

Edit 07.07.2016: dpreview.com hat in einem (englischsprachigen) Artikel fünf solcher Postcard-Apps getestet und verglichen.

2 Kommentare

  1. Hallo Andreas – Danke für die tolle Beschreibung! Das hört sich wirklich prima an und wäre mal eine tolle Möglichkeit, wieder Postkarten sozusagen von unterwegs aus den Ferien zu schicken! Ich probiere es demnächst mal von Südafrika aus 🙂
    Merci und LG – Sandra

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