Die Piazza Sordello im Zentrum
Die Piazza Sordello im Zentrum

Auf vielen meiner bisherigen Italien-Reisen lag ein Hindernis zwischen Abreise und Ziel, das zu überwinden mich jedesmal mit Unmut erfüllt: Die Po-Ebene. Dieser Landstrich ist in meinen Augen langweilig, hässlich, überindustrialisiert, meistens unangenehm heiss, und seine kürzeste Durchquerung kostet in der Regel eineinviertel einschläfernde Stunden. Umso erstaunlicher, dass ich mir auf der Rückreise aus Ligurien diesen Januar (siehe dazu die Artikel über Camogli und die ligurische Küste) ausgerechnet einen Ort im Herzen dieser verhassten Ebene ausgesucht habe, um zwei Nächte Zwischenstation einzulegen.

Blick über den Lago Inferiore zur Altstadt
Blick über den Lago Inferiore zur Altstadt

Aber ich hatte nach einer interessanten Stadt auf dem Weg gesucht und war dabei auf Mantua gestossen – und manch ein Italiener hatte mir Gutes über Mantua erzählt…

Das Innere des Doms von Mantua
Das Innere des Doms von Mantua
Kanal im Süden der Altstadt
Kanal im Süden der Altstadt

In der Tat gefiel mir Mantua ausserordentlich gut. Die von drei durch den Fluss Mincio gespeisten Seen umgebene Altstadt hat einige hübsche Gassen, Strassen, Innenhöfe, Kirchen, Palazzi und Plätze zu bieten, dazu einen sehr schönen, hellen Dom. Stellenweise ist die Stadt von kleinen Kanälen durchzogen, ähnlich den Navigli in Mailand. An den Ufern der Seen liegen Parks und Wiesen mit schönen Blicken auf die Stadt.

Hausfassade in Le Grazie
Hausfassade in Le Grazie

Nun, der Haken an Mantua ist aber eben, dass die Stadt mitten in der Po-Ebene liegt. Aufgrund dieses Umstandes konnte ich mir nicht vorstellen, in der Umgebung der Stadt noch irgendetwas zu finden, was mich begeistern könnte. Immerhin hatte ich von einem Naturpark am Lauf des Mincio gehört, und ich machte mich am Nachmittag auf, diesem einen Besuch abzustatten. Per Zufall stiess ich auf einen kleinen Ort namens Le Grazie, wo eine mittelalterliche Kirche, der Santuario della Beata Vergine Maria delle Grazie, direkt am Ufer des Mincio liegt. Dort fand ich einen sehr schönen und friedlichen Platz vor, an dem sich die Wintersonne hervorragend geniessen liess – während hier im Sommer wahrscheinlich hunderte von lärmenden italienischen Familien ihre Picknick-Decken ausbreiten.

Szene am Fiume Mincio bei Le Grazie
Szene am Fiume Mincio bei Le Grazie

Ein paar Kilometer weiter besuchte ich dann noch den Ort Casalmaggiore, direkt am Ufer des Po gelegen. Ja, richtig gelesen. Ich hatte mich diesem Fluss, dessen Name immer innere  Widerstände in mir auslöst, nun doch noch genähert. Und ganz abgesehen davon, dass die Ruhe, mit der dieser breite Strom durch das flache Land fliesst, irgendwie schon beeindruckend ist, begegnete mir in Casalmaggiore ein wirklich überraschender, hübscher Ort mit einer sehenswerten Altstadt.

In der Altstadt von Casalmaggiore
In der Altstadt von Casalmaggiore
Detail beim Duomo di Mantova
Detail beim Duomo di Mantova

Fazit von dieser Zwischenstation: Es gibt für einen engagierten Fotografen und Geniesser wahrscheinlich fast überall irgendetwas zu entdecken. Auch in Gegenden, wo man es eigentlich nicht unbedingt erwarten würde…

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