Seit ich Mitglied im AARSO Fotoklub Zofingen bin, befasse ich mich auch ernsthaft mit der Wettbewerbsfotografie. Nicht dass die Wettbewerbe das einzige Ziel und der einzige Antrieb meiner Fotografie geworden wären. Aber zwischendurch ist es ganz interessant, sich auf nationaler oder internationaler Ebene mit anderen Fotografen zu messen.

Treppenhaus im Konvent des Klosters St. Urban
Treppenhaus im Konvent des Klosters St. Urban

Nur sind in diesem Zusammenhang natürlich auch Enttäuschungen vorporgrammiert. Schliesslich ist man in der Regel von den Bildern, die man an Wettbewerbe einschickt, überzeugt. Aber oftmals muss man im Anschluss zur Kenntnis nehmen, dass die Jury das anders gesehen hat. Nun ist es nicht so, dass das Urteil einer Jury immer absolut richtig ist, denn eigentlich gibt es in der Fotografie kein richtig oder falsch. In der Wettbwerbsfotografie gibt es zwar bestimmte Richtlinien, nach denen man ein Bild als Juror bewertet. Dennoch sind Dinge wie persönlicher Geschmack, Zeitgeist etc. als mitbestimmende Elemente in einer Jurierung nie ganz ausgeschlossen. Dies führt auch dazu, das Bilder, die bei mehreren Wettbewerben eingereicht werden, einmal angenommen oder sogar ausgezeichnet werden und ein anderes Mal nicht. Oder beim gleichen Wettbewerb das eine Jahr abgelehnt werden und das andere Jahr angenommen.

Darum ist es auch interessant, zu vergleichen, wie ein Bild an verschiedenen Wettbewerben ankommt. Ich habe mir angewöhnt, Bilder, die mir persönlich wirklich am Herzen liegen, bei mehreren Wettbewerben einzureichen. Das können bis zu fünf oder sechs verschiedene sein. Wird das Bild an der Mehrzahl der Wettbewerbe angenommen, gehe ich davon aus, dass es auch im Urteil anderer, erfahrener Fotografen ein gutes Bild ist. Und andernfalls halt eben nicht.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Es gibt tatsächlich Fotos, die mir persönlich viel bedeuten oder von denen ich überzeugt bin, dass sie gut sind, die aber an praktisch allen Wettbewerben abgeschmettert werden. Sogenannte Loser-Bilder eben 🙂 Vier davon möchte ich im folgenden zeigen und ganz kurz vorstellen – und vielleicht traut sich ja der eine oder andere Leser auch, seine Meinung in Form eines Kommentars zu hinterlassen…

Ponte Brolla

Dieses Foto entstand während eines Aufenthalts an der Maggia im Kanton Tessin. Wann immer ich an den Ufern dieses faszinierenden Flusses unterwegs bin, halte ich nach speziellen Formen und Farben im Gestein Ausschau. Ein Resultat dieser Suche ist das Bild „Ponte Brolla“. Mir schien, es wirke am besten in schwarz-weiss, da es meiner Meinung nach von der Tiefenstaffelung der verschiedenen Strukturen und dem Spiel von Licht und Schatten, vor allem auf dem grossen hinteren Felsen, lebt. Dieses Bild wurde bisher an sechs Wettbewerben abgelehnt – an zwei nationalen und vier internationalen…

Bei Ponte Brolla an der Maggia - ein meiner Meinung nach faszinierendes Spiel von Licht, Schatten und Formen...
Bei Ponte Brolla an der Maggia – ein meiner Meinung nach faszinierendes Spiel von Licht, Schatten und Formen…

Kloster

Das zweite Bild ist ebenfalls ein Schwarzweiss-Foto – es findet sich weiter oben im zweiten Abschnitt. Das öffentlich zugängliche Treppenhaus des Konvents West im Kloster St. Urban, das dem Kanton Luzern als psychiatrische Klinik dient, ist aus architektonischer Sicht sehr interessant. Ich habe in diesem Foto versucht, den wuchtigen Dimensionen des Treppenhauses durch den Einsatz eines starken Weitwinkelobjektivs gerecht zu werden. Mich selber fasziniert das Bild durch die Symmetrie, die Sogwirkung der Treppe und den starken Lichteinfall durch die Fenster. Das Licht durchflutet den Raum richtiggehend. Aber vielleicht ist genau diese (gewollte) Überstrahlung der Grund für die vierfache bisherige Ablehnung?…

Klettsvík

Dieses Bild ist für mich persönlich eines meiner schönsten Reisefotos. Und zwar nicht nur des Erinnerungsgehaltes wegen, sondern weil es in meinen Augen den Charakter der sommerlichen Landschaft Islands enorm gut transportiert. Die ein längliches Dreieck bildende Spiegelung des Hügelzugs im Wasser der geschützten Bucht ist makellos, und die ganze Szene ist in ein schönes Abendlicht getaucht. Ausserdem finde ich den festgehaltenen Augenblick mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem Grasbüschel im Vordergrund perfekt – ganz abgesehen davon, dass dieses Büschel so sehr gut als Blickfang im Vordergrund wirkt und dadurch eine kompositorisch wichtige Funktion zugeteilt erhält. Nur eine von fünf Jurys mochte diese Einschätzung bisher teilen 🙂

Klettsvík - eine Bucht auf der Halbinsel Snæfellsnes auf Island
Klettsvík – eine Bucht auf der Halbinsel Snæfellsnes auf Island

Fontänen

Das letzte Bild ist nochmals ein Schwarzweiss-Foto. Je länger ich an Wettbewerben teilnehme, desto mehr beschleicht mich der Verdacht, dass Schwarzweiss nicht zu meinen Stärken gehört 🙂 … Solche Szenen wie die gezeigte können im Sommer praktisch täglich in Bern auf dem Bundesplatz abgelichtet werden, wo 26 die Kantone repräsentierenden Fontänen ihr variantenreiches Spiel darbieten. Immer gibt es dort auch Menschen, die die Fontänen nicht nur bestaunen, sondern sich eine Abkühlung gönnen oder sich einen Sport daraus machen, möglichst trocken durch das Feld zu gelangen. So wie vermutlich dieser Junge. Mir gefällt das Bild sehr, da der Lauf des Jungen eine gute Dynamik erzeugt und das Gegenlicht die Fontänen vor dem dunklem Hintergrund richtig erstrahlen lässt. Vermutlich wurde dem Bild bei drei von vier Jurys zum Verhängnis, dass die Amplituden der Wasserstrahlen abgeschnitten sind. Allerdings hätte ich massiven Gegenlichteinfall in Kauf nehmen müssen, hätte ich die Kamera weiter nach oben gerichtet, und das hätte die Szene meiner Meinung nach kaputt gemacht…

Fontänen am Bundesplatz in Bern
Fontänen am Bundesplatz in Bern

Ich habe übrigens noch ein paar weitere solche Bilder in meiner Sammlung, die das gleiche Schicksal teilen. Vielleicht stelle ich hier auf dem Blog einmal noch eine zweite Runde vor 😉 …

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