An einem meiner letzten Bilder hat sich bei seiner Publikation auf der fotocommunity.de eine kleine Diskussion entfacht, die unter Fotografen wahrscheinlich bei vielen Gelegenheiten geführt wird. Es handelt sich um das folgende Bild, das auch Bestandteil meines Artikels „Schüchterne Annäherung…“ ist, den ich vor wenigen Tagen hier veröffentlicht habe.

Emosson
Das Bild „Emosson“, das zur Diskussion Anlass gab…

Konkret wurde bemängelt, dass durch die Anwendung der HDR-Technik die Kontraste in einem Landschaftsbild wie dem obigen komplett verflachten und somit dem Bild jede Dramatik anhanden käme, die in der realen Szene sicher vorhanden gewesen sei. Sichtbar werde das insbesondere an den aufgehellten Schatten.

In dem einen Punkt, dass die Schatten in einem Bild nach dem Tonemapping aufgehellt sind, hat der Autor dieses Kommentars sicher recht. Aber ist das nicht – unter anderem – ein Stück weit das Ziel des Tonemappings? In meinen Augen schon, denn diese Technik erlaubt es ja gerade, auch bei hohem Kontrastumfang in allen Bildteilen, auch den Tiefen und den Lichtern, feine Details herauszuarbeiten. Aber werden die Bilder dadurch wirklich flach? Vielleicht ist das, wie so vieles, auch ein Stück weit Geschmackssache. Ein anderer Kommentator hat mir unter dem selben Bild auf jeden Fall bescheinigt, dass ich das Tonemapping hier dezent angewendet habe 🙂 …

Es ist natürlich immer noch sichtbar. Dass deswegen aber die Dramatik im Bild ganz verloren geht, finde ich nicht unbedingt. Das Spiel von Licht und Schatten, hervorgerufen durch die Wolkensituation, ist nach wie vor erkennbar und wesentliches Element der Bildwirkung – genauso wie eben die durch das Tonemapping herausgearbeiteten Details und die Klarheit der Szene.

Natürlich kann man das Tonemapping auch dezenter anwenden. Siehe als Beispiel das Foto unten. Die in dieser Szene vorherrschenden Kontrastunterschiede wären ohne HDR meiner Meinung nach gar nicht vernünftig bewältigbar. Trotzdem habe ich hier das Tonemapping sehr nuanciert eingesetzt, meiner Meinung nach ist es nicht erkennbar.

Frühlingsmorgen am Burgäschisee
Frühlingsmorgen am Burgäschisee

Ein ähnlicher Vergleich lässt sich mit den beiden Bildern „7 More London“ und „Westminster Abbey“ im Artikel „Oster-Trip nach London“ anstellen. Ersteres ist ein eher dezent ausgeführtes HDR, das es aber ermöglicht hat, die im Schatten liegenden Spiegelungen der Fassade sichtbar zu machen und gleichzeitig einen detailliert durchzeichneten Wolkenhimmel zu erhalten. Beim Foto der Westminster Abbey ist die HDR-Technik wieder auf den ersten Blick sichtbar. Dies ist aber so gewollt, weil dadurch die Dramatik, die schon durch die Perspektive erzeugt wird, optimal unterstützt und sogar verstärkt wird. Hier ist also das Gegenteil der Fall, dass das Foto erst durch das Tonemapping richtig an Dramatik gewinnt…

Wie ist eure Meinung zum Thema? Sie würde mich – völlig ideologiefrei 🙂 – interessieren…

Gute Inputs zur HDR-Fotografie gibt es übrigens im Reisefotografieblog von Trey Ratcliff: Stuck In Customs

3 Kommentare

  1. Hoi Andreas,

    in dem oben gezeigten Bildern ist der HDR Einsatz in der Tat dezent nicht so offensichtlich und vor allem nicht so krass übertrieben wie er oft zu sehen ist. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir die Tiefen ein wenig zu viel verloren gegangen sind und es dadurch doch etwas verflacht.

    Auch wenn Tonemapping das Aufhellen das Ziel ist, sollte ein gewisser Gesamtkontrast doch erhalten bleiben. Ohne jetzt die „normale“ Version zu kennen, denke ich, dass das Foto im Gesamteindruck von dunkleren Schatten in den Felsen durchaus profitieren würde.

    Ich selber wende HDR oder Composing für meine Landschaftsaufnahmen nicht an, lehne es aber nicht grundsätzlich ab, wenn der Einsatz dezent ist und es nicht auf den ersten Blick sichtbar ist (das Abbey Foto ist mir persönlich zu krass 😉 ) Generell gesagt und nicht auf Deinen Artikel bezogen, wird leider viel zu oft m.M. nach die Technik der EBV auch schlicht Mittel zum Zweck und als „künstlerischer Ausdruck“ missbraucht.

    Eine schwierige Diskussion, die man per Kommentare bestimmt nicht gut ausdiskutieren kann.

    LG
    Sandra

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