Schon seit längerer Zeit hatte ich geplant, einmal eine Fototur nach Genf zu unternehmen. Vor Kurzem habe ich nun diesen Vorsatz in die Tat umgesetzt. Warum ausgerechnet Genf? Nun, erstens denke ich, ein Städtetrip lohnt sich immer, denn jede Stadt hat dem interessierten Architekturfotografen (und sicher auch Fotografen anderer Genres, aber da kenne ich mich zu wenig aus 🙂 ) viele spannende Motive zu bieten. Auf Genf im Speziellen bin ich aber durch diverse Bilder aufmerksam geworden, die ich irgendwo einmal gesehen hatte, und aufgrund derer ich wusste, dass es in dieser Stadt sehr fotogene moderne Architektur gibt. Da ich mir solche Erkenntnisse jeweils gleich notiere und in einer Art Location-Datenbank festhalte, kristallisiert sich von Zeit zu Zeit wieder so ein Ziel heraus, auf das ich vielleicht sonst nie gekommen wäre.

Fassade am CEC André Chavannes
Fassade am CEC André Chavannes

Da es inzwischen abends recht lange hell ist, muss man auch nicht undbedingt allzu früh am Morgen los, wenn man noch bei Tageslicht fotografieren will 🙂 Da am Tag meiner Reise die Wetterprognose zudem nicht allzu verlockend klang, legte ich erst gegen Mittag zu Hause los. Alles in allem sollten sich Wahl von Zeit und Ort wieder einmal als Glücksfall erweisen – manchmal darf man als Fotograf ruhig ein bisschen Glück in Anspruch nehmen. Zwar musste ich mich nach der Ankunft bei meinem ersten Ziel in Genf zuerst ziemlich lange gedulden. Nachdem es während der ganzen zweieinhalbstündigen Anreise trocken geblieben war und sich zwischendurch sogar die Sonne gezeigt hatte, setzte wirklich fast auf die Sekunde genau bei meiner Ankunft beim College et Ecole de Commerce André Chavanne recht kräftiger Regen ein.

CEC André Chavannes im Quartier Petit Saconnex
Die auflockernde Bewölkung und der nasse Boden sorgten für spannende Bedingungen beim CEC André Chavanne im Quartier Petit Saconnex

Treppenaufgang zum Pausenplatz
Treppenaufgang zum Pausenplatz

Nach einer guten halben Stunde des Ausharrens entdeckte ich, wie sich in den gläsernen Fassaden dieses faszinierenden Baus aus Richtung Westen einzelne Stellen blauen Himmels zu spiegeln begannen. Gleichzeitig sorgte der inzwischen klatschnasse Boden dafür, das sogar leichte Reflexionen sichtbar wurden. Zusammen mit dem immer stärker aufgelockerten Wolkenhimmel ergab sich eine Situation, wie ich sie mir gar nicht besser hätte wünschen können… Die Geduld hatte sich also gelohnt und die Wahrheit, dass man bei schlechtem Wetter trotzdem losziehen sollte, sich wieder einmal bestätigt. Natürlich nützte ich die Zeit anschliessend, um ausführlich auf dem Schulgelände herumzustreifen und die Gebäude des Komplexes aus allen Winkeln und Perspektiven zu betrachten und zu fotografieren. Und da ich an einem Mittwochnachmittag unterwegs war, musste ich mir nicht einmal Gedanken über die Bildkomposition störende Personen machen…

Gebäude an der Place du Bouchet
Gebäude an der Place du Bouchet

So war der Nachmittag also schon recht fortgeschritten, als ich weiterzog, zu meinem nächsten Ziel. Ich hatte mir noch einige Gebäude im UNO-Quartier vorgenommen und wollte zudem auch im Seebecken noch ein wenig fotografieren. Da ich unterwegs allerdings noch am Carrefour du Bouchet hängenblieb, musste ich die Zeit an der Place des Nations etwas beschränken und mich selber auf einen späteren Trip vertrösten.  Vielleicht begreife auch ich ja einmal noch, dass ich immer zu wenig Zeit für alles einplane 🙂 … Dazu muss allerdings auch noch gesagt werden, dass es für einen Auswärtigen nicht ganz einfach ist, sich im Genfer Tram- und Busnetz zurechtzufinden, was ebenfalls noch zusätzlich Zeit in Anspruch nimmt.

Gebäude der UNO an der Place des Nations
Gebäude der UNO an der Place des Nations
Regenbogen am Jet d'Eau
Regenbogen am Jet d’Eau

Ich sollte dennoch meine Entscheidung, noch genügend Zeit am Seebecken zu investieren, nicht bereuen. Inzwischen war das Wetter wirklich gut geworden, und die Wolken über der Stadt hatten sich fast ganz verzogen. So bot sich mir an verschiedenen Stellen ein guter Blick über den See zu den nahegelegenen Savoyer Alpen, und ich konnte mich ausführlich dem Motiv des Phare de Pâquis widmen, diesem reizvollen Leuchtturm am Ende eines langen, felsigen Piers mit Kiesstrand. Zum Abschluss dieser kleinen Tour de Genève wurde ich sogar noch von einem schönen Regenbogen am Jet d’Eau verabschiedet…

Fazit: Genf ist eine fotografisch lohnenswerte Stadt, und man muss wahrscheinlich mehrere Besuche planen und sich jeweils auf ein Thema oder Quartier konzentrieren, um nicht heillos in Stress zu geraten.

Der Leuchtturm in Pâquis am Seebecken
Der Leuchtturm in Pâquis am Seebecken

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