Karge Gebirgslandschaften säumen den Weg
Karge Gebirgslandschaften säumen den Weg

Der erste Artikel aus dieser Serie über Norwegen ist schon vor einiger Zeit erschienen. Damals dachte ich noch nicht, dass es bis zum nächsten so lange dauern würde. Aber erstens hat der Sommer 2017 genügend aktuellen Stoff geliefert, um diesen Blog füttern zu können 🙂 und zweitens bin ich auch sonst im Archiv immer wieder auf interessante Funde gestossen… Aber nun ist es soweit. Und vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass ich für den zweiten Artikel etwas mehr Sonne versprochen hatte. Die ersten Tage auf dieser Reise durch Mittel- und Westnorwegen waren ja etwas gar grau gewesen.

Imposante Felswände und hohe Wasserfälle prägen den Geirangerfjord
Imposante Felswände und hohe Wasserfälle prägen den Geirangerfjord
Im Strynefjell
Der Höhepunkt der Frustration in Grau: im Strynefjell

Allerdings musste ich mich noch etwas gedulden. Zunächst ging die Reise unter wolkigem Himmel weiter, von Ålesund dem Storfjord entlang, mit der Fähre von Linge nach Eidsdal und zum weltberühmten Geirangerfjord. Diese norwegischen Fjordlandschaften sind etwas enorm beeindruckendes, und der Geirangerfjord, der auch von den meisten Kreuzfahrtschiffen angefahren wird, ist zurecht eines der Aushängeschilder dieser Gegend. Von der Hauptstrasse 63 aus, die sich in zahlreichen Serpentinen vom Eidsvatnet hinunter zum Ort Geiranger windet, zweigen an vielen Orten Fusswege ab, die es erlauben, diese majestätische Landschaft zu Fuss zu erleben…

Erste Hoffnungsschimmer: am Oppstrynsvatnet
Erste Hoffnungsschimmer: am Oppstrynsvatnet
Der kleine Ort Oppstryn am gleichnamigen See
Der kleine Ort Oppstryn am gleichnamigen See

Von Geiranger aus führte mich die Strasse weiter durch die karge, wasserreiche Gebirgslandschaft. Irgendwo in dieser Pampa, kurz bevor sich die Strasse definitiv wieder talwärts zum nächsten grossen Fjord wand, fand ich in einem Berghotel Unterschlupf. Dort war gleichzeitig der Höhepunkt der Garstigkeit des Wetters und damit auch schon fast die Grenze zur Depression erreicht 🙂 Der Nebel liess mich teilweise nicht einmal mehr die umliegenden Gipfel erkennen. Dazu kam, dass das einzige verfügbare Menü in diesem fast ausgestorbenen Hotel gar nicht dazu geeignet war, meinen Appetit anzuregen, und daher beschloss ich, ca. 30 Kilometer in den nächsten grösseren Ort Stryn zu fahren und dort nach etwas Essbarem zu suchen. Bei aller Liebe zu diesem schönen Land – kulinarisch auf seine Kosten zu kommen, stellt sich gerade in ländlichen Gebieten oftmals als eine schier unlösbare Aufgabe heraus.

...und plötzlich präsentiert sich alles in Blau
…und plötzlich präsentiert sich alles in Blau
Am Briksdalsbreen
Am Briksdalsbreen

Und für alle, die bis hierher gelesen haben und unter innerlichem Haaresträuben schon fast beschlossen haben, nie nach Norwegen zu reisen: Wartet noch einen Moment ab! 🙂 Auf der Rückfahrt von Stryn legte ich an einem grösseren See, dem Oppstrynsvatnet, einen Halt für einen Verdauungsspaziergang ein. Während dieses Spaziergangs entdeckte ich plötzlich, dass sich die Wolken, die sich in der Wasseroberfläche spiegelten, teilweise rötlich einzufärben begannen – ein sicheres Zeichen dafür, dass irgendwo die Sonne einen Weg durch die dichte Decke gefunden hatte. Sogar einige Flecken blauen Himmels konnte ich entdecken. Das gab doch Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des bisherigen Dauergrau… Kurz darauf wurde es allerdings dunkel, und so liess sich die gemachte Beobachtung nicht mehr am gleichen Tag verifizieren. Umso grösser war die Überraschung am anderen Morgen beim ersten Blick aus dem Fenster: Der Himmel präsentierte sich wolkenlos, und plötzlich breitete sich das umliegende Gebirge in seiner vollen Pracht vor meinen Augen aus! In diesem Moment glaubte ich noch an eine kurze Laune der Wettergötter. Aber es sollte sich herausstellen, dass dieser Zustand für den Rest der zwei Wochen die Regel werden würde 😉 …

Landschaft am Innviksfjorden
Landschaft am Innviksfjorden
Der hintere Teil des Lovatnet
Der hintere Teil des Lovatnet

Unter diesen Voraussetzungen wurden die folgenden paar Kilometer der Reise natürlich zu einem ganz besonderen Genuss. Was für ein Kontrast das war, all die grossartigen Ecken in dieser Fjordlandschaft nun im Licht der strahlenden Sonne betrachten zu können! Die grasgedeckten alten Häuser am Lovatnet, der in ein steiles Bergtal eingebettete See Oldevatn und der am Ende des Tales gelegene Briksdalsbreen – sie alle hinterliessen unter diesem nordischen Sommerlicht einen viel imposanteren Eindruck…

Historische Siedlung am Lovatnet
Historische Siedlung am Lovatnet
Fast wie das Matterhorn - Berg bei Byrkjelo
Fast wie das Matterhorn – Berg bei Byrkjelo

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