Es gibt viele schöne, sogar überwältigend schöne Orte in Island – das wissen nicht nur diejenigen, die dieses Land schon bereist haben. Einige davon habe ich hier auf dem Blog sogar schon vorgestellt, so z.B. Djuplalónsandur oder den Fjallabak. Es gibt aber auch wesentlich weniger spektakuläre Plätze in Island, denen aber doch eine geheimnisvolle Magie innewohnt- zumindest für mein Empfinden. Einer dieser Orte ist Þingvellir. Dieser Spot gehört zu denen, die wohl jede Reisegruppe irgendwann im Verlauf der Erkundung Islands ansteuert.

Blick auf den Versammlungsplatz, die Kirche und die Wohnhäuser von Þingvellir
Blick auf den Versammlungsplatz, die Kirche und die Wohnhäuser von Þingvellir
Im Inneren der kleinen Kirche
Im Inneren der kleinen Kirche

Die Magie dieses etwa 40km östlich von Reykjavík gelegenen Ortes, der aus nichts anderem als einer Kirche mit ein paar Holzhäuschen und einem Versammlungsplatz, dem Thingplatz besteht, nährt sich zum einen sicher aus seiner historischen Bedeutung. Hier an dieser Stelle wurden nach der Landnahme durch die Wikinger im frühen zehnten Jahrhundert die ersten gesetzgeberischen Versammlungen abgehalten. Darum wird der Ort als Geburtsstätte des modernen Island betrachtet. Hier wurde im Jahr 1000 auch die Annahme des Christentums beschlossen und 1944 die Republik ausgerufen. Doch die Bedeutung des Orts geht weit über diese historischen Aspekte hinaus.

Die Landschaft ist geprägt von für isländische Verhältnisse üppiger Vegetation, Felsen und Wasser
Die Landschaft ist geprägt von für isländische Verhältnisse üppiger Vegetation, Felsen und Wasser

Die Landschaft, in die die Parlamentsstätte eingebettet liegt, ist in ihrer Sanftheit und Weite wesentlich unspektakulärer als viele andere in Island. Doch gerade von diesem Charakter der Landschaft geht für mich auch ein grosser Teil der Magie Þingvellirs aus. Es gibt mehr Grün als an anderen Orten des Landes, un dieses wird immer wieder durchbrochen durch Felsformationen und Wasser – so z.B am Ufer des grossen Sees Þingvallavatn oder am Wasserfall Öxarárfoss. Die weite Senke wird sichtbar eingerahmt von einigen aktiven Vulkansystemen. Und dadurch, dass Þingvellir in einer Grabenbruchzone liegt, kommt dem Ort auch eine geologische Bedeutung zu – was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass das Gebiet 1930 zum Nationalpark erklärt wurde.

Der Wasserfall Öxarárfoss in der Allmannagjá
Der Wasserfall Öxarárfoss in der Allmannagjá
Nach dem Wasserfall fliesst die Öxará in Richtung See...
Nach dem Wasserfall fliesst die Öxará in Richtung See…

In der Schlucht Allmannagjá wird das Auseinanderdriften der amerikanischen und der eurasischen tektonischen Platten deutlich sichtbar. Die Schlucht lässt sich zu Fuss durchwandern, und die Felswände zu beiden Seiten werden im Verlauf der Wanderung immer höher. Schliesslich gelangt man an die Stelle, wo sich der wunderschöne Öxarárfoss über die Felsen in die Schucht stürzt und sich der Fluss seinen Weg zwischen den Felswänden hindurch bis zur Mündung in den grossen See sucht.

Für mich ist Þingvellir wesentlich mehr als nur eine Pflichtstation auf der Durchreise. Es ist wirklich schön, auf den felsigen Höhen zu stehen, die Weite mit den vulkanischen Bergen am Horizont zu überblicken, den Wind in den Haaren zu spüren, dem Rauschen des Wassers zuzuhören und den Geist der Geschichte zu atmen. So ein Ort ist für mich definitiv ein Ort zum Verweilen…

...und mündet schliesslich in den Þingvallavatn
…und mündet schliesslich in den Þingvallavatn

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