In einem kürzlich hier auf dem Blog veröffentlichten Artikel habe ich über den ersten Tag unserer kurzen Reise ins Engadin geschrieben. Wie dort bereits erwähnt, war das Wetter in jenen Tagen dank eines stabilen Herbst-Hochs strahlend schön, was uns die Farben des Engadiner Herbsts ganz besonders intensiv leuchtend erleben liess. Dabei war ich auf der Anreise zuerst etwas enttäuscht, weil die Lärchen in Tiefencastel noch beinahe grün waren. Allerdings hatte ich

ausser acht gelassen, dass das Engadin ja nochmals rund 900 Meter höher liegt und damit auch die Vegetation auf einem ganz anderen Stand ist.

Am Ufer des Lej da Segl
Am Ufer des Lej da Segl, kurz vor der Halbinsel Chastè

Und so zeigte sich das Kleid der Landschaft in diesem „Garten des Inn“, wie der rätoromanische Name des Bündner Hochtals übersetzt wird, von seiner schönsten Seite. Wir nahmen uns für den zweiten Tag zwei kleinere Spaziergänge vor, um die reichen Facetten der alpinen Landschaft zu erkunden, wobei der Name „Spaziergang“ dem zweiten nicht ganz gerecht wurde – doch dazu später mehr 🙂 …

Halbinsel Chastè und Piz da la Margna
Halbinsel Chastè und Piz da la Margna
Blick von Chastè zum Ende des Sees
Blick von Chastè zum Ende des Sees

Am Vormittag nahmen wir die Halbinsel Chastè im Silsersee unter die Füsse. Wie viele Male habe ich diesen Weg schon gemacht! Aber er ist jedes Mal wieder ein Highlight, eine Neuentdeckung; praktisch zu jeder Tages- und Jahreszeit und sogar fast bei jeder Witterung. Lärchen und Kiefern säumen das Ufer des Sees und bilden einen perfekten Rahmen für das Gebirgspanorama mit dem Piz da la Margna im Zentrum.  Aufgrund der hohen Lage des Talbodens erscheinen die Berge rund um den Silsersee nicht so mächtig oder dramatisch, sondern die hochalpine Landschaft wirkt hier richtiggehend ruhig, sanft.

Bergsee auf der Fuorcla Surlej
Bergsee auf der Fuorcla Surlej
Blick von der Fuorcla zum Munt Arlas
Blick von der Fuorcla zum Munt Arlas

Ganz anders die Szenerie am Nachmittag desselben Tages. Wir nahmen die Seilbahn von Surlej hinauf zur Mittelstation der Corvatsch-Bahn. Nach einem kleinen, aber feinen Mittagessen im Berghaus Murtèl starteten wir zur Wanderung auf die Fuorcla Surlej. Diese Wanderung ist auf dem Papier relativ anspruchslos. Die ersten drei Viertel verlaufen auf einem gut ausgebauten Weg fast flach, und insgesamt sind bis zum Ziel nur rund 90 Höhenmeter zu überwinden. Aber trotzdem: Die grosse Höhe – man startet auf 2698 Meter über Meer – machte uns ordentlich zu schaffen. Das Atmen fiel nicht mehr ganz so leicht, und das Mittagessen sowie die bereits am Vormittag zurückgelegten Schritte machten sich hemmend bemerkbar. Nun gut, es gibt schlimmere Arten zu realisieren, dass man älter wird 😉 … Denn das, was wir als Anstrengung empfanden, hatte einen guten Lohn: Die Aussicht von der Fuorcla Surlej auf die Gipfel und Gletscher der Bernina-Gruppe ist schlicht und einfach überwältigend und spektakulär!

Der Ausblick zur Berninagruppe
Der Ausblick zur Berninagruppe

Trotzdem waren wir uns nach der Rückkehr einig: Am letzten Tag unseres Aufenthaltes hier würden wir keinen überflüssigen Schritt mehr machen! 🙂 …

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