Am IJsselmeer
Am IJsselmeer

Im letzten Beitrag dieser kleinen Serie habe ich wie selbstverständlich abwechselnd von den Niederlanden und Holland gesprochen. Darum hier zuerst einmal ein kleine Begriffsklärung. Ganz streng genommen steht die Bezeichnung „Holland“ nur für einen Teil des niederländischen Staatsgebiet, nämlich die Provinzen Noord-Holland und Zuid-Holland, im Westen an der Nordsee gelegen. In der deutschen Umgangssprache – und zum Teil auch von den Niederländern selber – wird der Begriff aber für das ganze Land benutzt. Und ich erlaube mir das sowieso hin und wieder, da der allergrösste Teil der Reise, die ich hier beschreibe, durch diese beiden Provinzen geführt hat 😉 … Ein interessantes Detail übrigens ist dies: Ein grosser Teil Hollands liegt unter dem Meeresspiegel. Das erklärt sich dadurch dass das Kulturland auf den flachen Poldern, die die Landschaft Noord- und Zuid-Hollands prägen, durch Austrocknung der ehemaligen Sumpfgebiete gewonnen wurde. Dies ist auch der Grund für die Präsenz der zahlreichen Windmühlen, die diese Aufgabe übernommen haben…

Abend am Damm über das IJsselmeer
Abend am Damm über das IJsselmeer

Nach dem Besuch im Städtchen Enkhuizen führte mein Weg also wie gesagt weiter über das IJsselmeer. Wobei dazu gesagt werden muss, dass es sich hierbei trotz des Namens nicht um ein Meer handelt, sondern im Grunde genommen um den grössten See der Niederlande. Er entstand durch den Bau von Deichen an der ehemaligen Meeresbucht Zuiderzee und ist heute wirklich ein riesiger Süsswassersee. Von Enkhuizen führt ein langer Damm über den See nach Lelystad. Diese recht neue Stadt ist ein wahres Kontrastprogramm zum beschaulichen und hübschen Enkhuizen. Ich glaube, etwas hässlicheres habe ich in Mitteleuropa noch selten gesehen! Eine Siedlung, bestehend aus lauter kubischen Flachdach-Wohnbauten und schmucklosen, geometrisch angeordneten Einfamilienhaus-Quartieren. Hier gab es also fast nur eines: vergessen und weiterfahren! 😉 … Oder halt! Holland steckt ja voller Überraschungen. So dachte ich, es gibt vielleicht in der näheren Umgebung doch noch etwas zu entdecken. Und das gab es tatsächlich.

Der Hafen des Städtchens Urk
Der Hafen des Städtchens Urk
Gasse in Urk
Gasse in Urk

Nur wenige Kilometer nördlich von Lelystad entdeckte ich nochmals ein hübsches Kleinstädtchen: Urk. Der kleine Ort weist einen hübschen Hafen, eine Promenade am IJsselmeer und zahlreiche von kleinen Backsteinhäusern bestandene Gassen auf. Weitere zehn Kilometer entfernt in östlicher Richtung liegt der Nationalpark Weerribben-Wieden. In den Niederlanden muss man sich freilich unter einem Nationalpark etwas anderes vorstellen als andernorts. Hier hat man es einfach mit einem grossen Moorgebiet mit einigen Seen und Kanälen darin zu tun, in dessen Mitte ein kleines Dorf mit dem unmerkbaren Namen Belt-Schutsloot liegt. Was genau diesen Flecken als Nationalpark qualifiziert, weiss ich nicht. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich nicht gross damit befasst habe. Schön war es aber trotzdem. Ich erlebte einen ziemlich heftigen Gewittersturm, was für eine grossartige Stimmung sorgte, und beschaulich war die Gegend mit den Häuschen an den Kanälen und den überall angelegten Booten schon.

Im Nationalpark Weerribben-Wieden
Im Nationalpark Weerribben-Wieden
Am Oostvaardersplassen bei Lelystad
Am Oostvaardersplassen bei Lelystad

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden, zu den nächsten Zielen Den Haag und Kinderdijk, findet sich unmittelbar südlich von Lelystad eine weitere Sehenswürdigkeit. Wenn man nicht der Autobahn folgt, sondern der kleinen Strasse N701 Richtung Almere, so stellt man fest, dass diese über einen schmalen Damm verläuft. Zur Rechten liegt das Markermeer, das einem den Eindruck offenen Meeres vermittelt, und zur Linken ziehen zahlreiche grosse und kleine, von Mooren umgebene Seen vorbei. Vor dem Hintergrund der immer noch aktiven Gewitterwolken gibt das Ganze eine sehr schöne Szenerie ab, und man wird sich an einem Ort wie diesem einer Tatsache bewusst: Holland, das ist Weite, schier endlose Weite, aus Wasser, Wind und Wolken…

Kanal in Kinderdijk
Kanal in Kinderdijk
Sonnenuntergang in Kinderdijk
Sonnenuntergang in Kinderdijk

Ja, und dann, nach einer guten Stunde Fahrt kam ich in Kinderdijk an… Dies ist wohl auch einer der Orte, an denen kein Besucher Hollands vorbeikommt. Die Ansammlung von neunzehn historischen Windmühlen an einem Kanal gehört seit 1997 zum UNESCO-Welterbe. Aber im Gegensatz zur Zaanse Schans handelt es sich bei dem Ort nicht um ein Freilichtmuseum, sondern die Mühlen dienen noch heute dazu, das Wasser aus den Poldern abzupumpen. Ich hatte das Glück, diesen Ort an einem sonnigen Abend und somit in wunderbar warmem Licht erleben zu dürfen, was wirklich ein Erlebnis ist.

Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Nach Sonnenuntergang legt sich Ruhe über den Kanal...
Nach Sonnenuntergang legt sich Ruhe über den Kanal…
Wohn- und Bürobauten in Den Haag
Wohn- und Bürobauten in Den Haag

Nach diesem Abschitt der Reise mit viel Natur und endlosen Horizonten stand wieder eine Grosstadt auf dem Plan: Den Haag. Diese Stadt, die auch auf den amtlichen Namen ’s-Gravenhage hört, war für mich eine komplett andere Erfahrung als Amsterdam. Die niederländische Hauptstadt hat mit ihren historischen Häusern und Grachten im Zentrum so viel Charme. Und in Den Haag begegnete mir eine moderne holländische Stadt, in der man vergebens nach Altstadt-Gassen sucht. Aber trotzdem: Auch der Königs- und Parlamentssitz der Niederlande hat seinen Reiz. Es ist eine Stadt, geprägt von moderner Architektur, aber nicht aktueller, sondern Architektur aus den 70er- und 80er-Jahren. Keine Stahl- und Glassfassaden, sondern vorwiegend Backstein-Architektur. Dass auch dies spannend und attraktiv sein kann, habe ich auf diesem Kurztrip nach Den Haag erfahren. Und abgesehen davon gibt es natürlich auch in Den Haag Historisches zu sehen – so z.B. den mittelalterlichen Gebäudekomplex Binnenhof, in dem das niederländische Parlament tagt.

Moderne Architektur im Zentrum von Den Haag
Moderne Architektur im Zentrum von Den Haag

So machte ich auch in diesen Tagen meiner Reise die Erfahrung, dass die Niederlande dem Reisenden eine unendliche Vielfalt an Natur und Kultur bietet – auch wenn keine Berge den Blick verstellen 😉 … Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf machte ich mich auf, die letzten Entdeckungen auf dieser kurzen Reise in Angriff zu nehmen: Rotterdam, Delft und einige Spots zurück am Veluvemeer…

Ein Teil des Binnenhofs mit dem Springbrunnen
Ein Teil des Binnenhofs mit dem Springbrunnen

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