Diejenigen unter uns, die schon seit langer Zeit fotografieren, kennen das Thema: Wer einigermassen engagiert fotografierte, nahm seine Bilder früher auf Diafilm auf. Mit dem Resultat, dass wir heute in unseren Kellern oder Estrichen Boxen mit hunderten und tausenden Dias horten, die wahrscheinlich nie mehr zum Einsatz kommen. Ich zumindest besitze nicht einmal mehr einen Diaprojektor – wozu auch? Selber werfe ich kaum mehr je einen Blick auf die Schätze aus alter Zeit, und mit einer Einladung zum Dia-Abend würde ich bei Freunden vermutlich höchstens noch ein mitleidiges Lächeln provozieren.

Nun ist es ja auch so, dass längst nicht alles Gold ist, was in den Tiefen des Archivs schlummert. Die ursprüngliche emotionale Bindung an so manche alte Bildserie ist schon lange abgekühlt, und aus der Distanz betrachtet, gibt es wahrscheinlich nur noch ein paar wenige Dias, die es wirklich verdienen, weiterhin Platz wegzunehmen. Von dieser Erkenntnis getrieben, nahm ich den letzten Umzug anfangs dieses Jahres zum Anlass, einmal gründlich aufzuräumen. Und siehe da: Ich schaffte es tatsächlich, mein Dia-Archiv volumenmässig auf ca. 10% des ursprünglichen Standes zu reduzieren. Diesen Restbestand wollte ich allerdings lieber in digitalisierter Form haben. Denn erstens unterliegt das Filmmaterial einem nicht aufzuhaltenden Alterungsprozess, und zweitens liegt der Anwendungsbereich der Fotos heute praktisch nur noch im digitalen Bereich. Damit stand ich aber vor dem nächsten Problem.

Um aus Dias digitale Daten zu machen, hat man ja grundsätzlich folgende Möglichkeiten:

  1. Man scannt die Dias mithilfe eines hochwertigen Diascanners ein
  2. Man fotografiert sie mit irgend einer Hilfseinrichtung und einer Digitalkamera ab
  3. Man lässt sie von einem Dienstleister einscannen

Möglichkeit 1) scheitert entweder an der Verfügbarkeit entsprechender Geräte, an deren Preis oder am Zeitaufwand für die Digitalisierung. Die an vielen Orten feilgebotenen Schnellscanner im Preisbereich von 100 bis 300 Franken liefern nicht wirklich eine Qualität, die dem anspruchsvollen Fotografen gerecht wird. Für Möglichkeit 2) gilt dasselbe. Der Zeitaufwand ist enorm, und die Qualität gemäss meinen Erfahrungen sehr bescheiden. Kommt dazu, dass man immer mit der Temperatur der verwendeten Lichtquelle zu kämpfen hat. Bleibt also noch Möglichkeit 3). In diesem Bereich wird man heute erstaunlich schnell fündig. Gab es früher gerade einmal die Kodak Photo CD, so buhlen heute unzählige Anbieter um die Gunst des Dias besitzenden Kunden. Offenbar entspricht das Angebot also einem Bedürfnis.

Einen Auftrag bei ArchivScan eröffnen
Einen Auftrag bei ArchivScan eröffnen

Für mein Digitalisierungs-Projekt habe ich mich für ArchivScan von Claude Fanac entschieden. Ich kann nicht einmal genau sagen warum. Vielleicht war es der erste, über den ich gestolpert bin, und ich wollte ihn einfach einmal ausprobieren. Und da ich mit den Resultaten zufrieden war, bin ich geblieben. (Es war ja auch nicht mein Ziel, einen Vergleichstest zu schrieben 😉 …). Das Prozedere für die Einsendung der Dias ist zwar etwas kompliziert, da man abgebundene Stapel bilden muss. Aber ich denke, dass dies nicht nur dem Dienstleister die Arbeit erleichtert und er sie damit günstiger anbieten kann, sondern dass das auch für den Transport Vorteile in Bezug auf die Stabilität bringt. Auch die Website wirkt etwas altbacken, und ich persönlich wünschte mir zum Beispiel, dass man den Lieferschein per Online-Formular ausfüllen und die Optionen direkt anwählen könnte, anstatt das Papier auszudrucken und von Hand auszufüllen. Auch ein Kundenkonto kann nicht eingerichtet werden. Stattdessen identifiziert man sich bei einem Folgeauftrag über die Bestellnummer von der vorhergehenden Rechnung. Pech, wenn diese nicht mehr vorhanden ist.

Das Angebot ist ziemlich breit, das Erscheinungsbild der Website aber recht altbacken
Das Angebot ist ziemlich breit, das Erscheinungsbild der Website aber recht altbacken

Aber wie gesagt: Mit den Resultaten war ich top zufrieden, und der Preis stimmt meines Erachtens. Für die Standard-Dienstleistung TOP-Scan bezahlt man CHF 0.35 pro Dia, dazu eine Auftragspauschale und den Datenträger. Zusätzliche Optionen wie ICE Staub- und Kratzerentfernung, die Einsendung in einem selber gewählten Behältnis (z.B. im Magazin), drehen der (Hochformat-)Dias nach dem scannen oder die Expresslieferung kosten etwas mehr. Allerdings habe ich keine dieser Optionen in Anspruch genommen – erstere macht sowieso nur bei sehr alten oder verschmutzten Dias Sinn. Da ich die Bilder ohnehin digital weiterverarbeite, kann ich die paar wenigen Retuschen auch gerade selber vornehmen. Schon in der Basisversion kommen die Dias mit einer Auflösung von 5’400 x 4’000 Pixel in 24bit, dazu zusätzlich noch in einer farbkorrigierten Version. Letztere bringt aber aus meiner Sicht nicht viel, da die Farben für meinen Geschmack etwas zu intensiv kommen. Da entscheide ich lieber selber über die Sättigung.

Die Vorbereitung des Auftrags ist etwas kompliziert, wird aber ausführlich erklärt
Die Vorbereitung des Auftrags ist etwas kompliziert, wird aber ausführlich erklärt

Dann bleibt noch das Thema Lieferfristen. Der Anbieter gibt zwei bis sechs Wochen an. De facto musste ich aber nie so lange warten. Beim ersten Auftrag waren es eineinhalb Wochen, bei den folgenden höchstens eine. Ein Auftrag während der Sommerferienzeit wurde sogar am Folgetag schon erledigt.

So sind nun alle meine Lieblingsdias aus der Vergangenheit endlich einmal qualitativ hochwertig digitalisiert. Diesen Umstand werde ich zum Anlass nehmen, hier von Zeit zu Zeit eines meiner Lieblingsbilder von früher oder sogar eine ganze mit Dias untermalte Geschichte zu zeigen 🙂 …

Landschaft beim Aufstieg nach Jufplaun im Schweizerischen Nationalpark...
Ein erster meiner alten Lieblingsdias: Landschaft beim Aufstieg nach Jufplaun im Schweizerischen Nationalpark…

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