Wir Fotografen kennen das Thema wahrscheinlich alle: Im Verlaufe der Jahre entstehen unzählige Fotos, und es besteht die Gefahr, dass viele dieser Schätze auf unseren Festplatten vergessen gehen. Klar, wir zeigen die Fotos auch auf unseren Websites, in Social Media, erstellen (und verkaufen teilweise auch) Fotobücher und Kalender. Aber wäre es nicht schön, wenn man seine Lieblingsfotos immer und immer wieder anschauen könnte, sogar in Form eines schönen Wandschmucks zu Hause? Diese Idee lag unserem langjährigen Wunsch zu Grunde, irgendwann an einer Wand unserer Wohnung einen Bildschirm zu installieren, an dem wir hin und wieder Fotos in Form einer Slideshow betrachten oder auch einfach ein bestimmtes Bild eine zeitlang anzeigen lassen könnten.

So sieht der Canvas in Aktion aus - die Artefakte entstehen natürlich beim Abfotografieren des Bildschirms und sind im Betrieb nicht sichtbar.
So sieht der Canvas in Aktion aus – die Artefakte entstehen natürlich beim Abfotografieren des Bildschirms und sind im Betrieb nicht sichtbar.

Ich hatte früher schon solche sogenannten digitalen Bilderrahmen gehabt. Die waren aber klein, teuer und hatten eine miserable Auflösung. Aber die Welt ist seither zum Glück nicht stehen geblieben 🙂 … Auf der Suche nach einer grossen und erschwinglichen Variante eines solchen Bilderrahmens bin ich dann auf den Meural Canvas gestossen. Bei diesem handelt es sich nicht einfach um einen Bildschirm, sondern effektiv um einen Bilderrahmen mit einem grossen Display. Erhältlich ist der Canvas mit einer Einrahmung aus Kunststoff in Schwarz oder Weiss sowie einem Holzrahmen. Bei allen Varianten wird das Display zusätzlich von einem weissen „Passepartout“ eingefasst. Mitgeliefert wird auch ein Set von Schrauben und Metallplatten, um den Canvas an der Wand zu montieren, sowie ein Netzteil mit Adaptern für verschiedene Stromsysteme.

Über die Website werden die Fotos bequem hochgeladen, an den Canvas gesendet und in Playlisten organisiert
Über die Website werden die Fotos bequem hochgeladen, an den Canvas gesendet und in Playlisten organisiert

Das 27“-Display besteht aus einem matten Antireflex-Glas und stellt 1920×1080 Pixel dar. Dies mag auf die Displaygrösse gesehen nicht nach viel klingen – in der Praxis zeigt sich aber, dass die Bilder sehr angenehm, scharf und äusserst plastisch dargestellt werden. Bestückt wird der Canvas mit den eigenen Bildern via das heimische WLAN, indem die Fotos auf der Meural-Website hochgeladen oder vom Smartphone / Tablet übertragen werden. Dabei besteht theoretisch eine Grenze von 10MB pro Foto, in der Praxis konnte ich aber auch grössere Fotos hochladen, und sie wurden anstandslos angezeigt. Ein weiteres kleines Handicap kann das Bildformat von 16:9 sein. Wahrscheinlich liegen die wengisten unserer Fotos in diesem Format vor und müssen zuerst entsprechend zugeschnitten werden.

Die Playlisten-Verwaltung.  Alles lässt sich alternativ über die Smartphone-App steuern und organisieren.
Die Playlisten-Verwaltung. Alles lässt sich alternativ über die Smartphone-App steuern und organisieren.

Die Einrichtung der Verbindung mit dem WLAN über die Meural-App ist ziemlich knifflig und nicht gerade intuitiv, und bei mir klappte sie nicht auf Anhieb. Eine Anleitung dazu mit Tipps zum Troubleshooting gibt es natürlich, wie das heute leider üblich ist, nirgends, und so muss man sich relativ bald im Support-Forum schlau machen. Ist diese Hürde aber einmal genommen, ist die Bedienung via die Meural-App durchaus einfach. Die hochgeladenen und auf den Canvas übertragenen Fotos können bequem in Playlisten organisiert werden, und der Bilderrahmen kann komplett via App gesteuert werden. Wenn man die Bilder nicht als Slideshow ansehen möchte, kann ein bestimmtes Bild in den Einstellungen „eingefroren“ werden, dieses wird dann permanent angezeigt. Der Canvas kann aber auch ohne Smartphone bedient werden. Dazu verfügt er über zwei unsichtbare, in den Rahmen eingebaute Bewegungssensoren. Ohne den Rahmen zu berühren, wird er mittels Wischgesten gesteuert. Der Wechsel von einem Bild zum nächsten sowie der Zugriff zum Menü des Canvas sind so problemlos möglich – sobald man sich einmal gemerkt hat, welche Wischrichtung was bewirkt.

In einem Account lassen sich mehrere Canvases verwalten und für jeden die Einstellungen individuell festlegen.
In einem Account lassen sich mehrere Canvases verwalten und für jeden die Einstellungen individuell festlegen.

Etwas ärgerlich ist, dass die Voreinstellungen nicht gerade benutzerfreundlich sind. So schaltete sich der Canvas in den ersten Tagen seines Gebrauchs bei uns zuhause immer wieder willkürlich ein und aus. Dies, obwohl in den Einstellungen in der App keinerlei Timer eingestellt war. Mangels Anleitung und brauchbarer Hilfethemen im Forum brauchte ich ziemlich lange, um herauszufinden, dass die Einstellung „Den Canvas bei Dunkelheit im Raum in den Schlafmodus versetzen“ gleichzeitig dafür sorgt, dass er jedesmal wieder eingeschaltet wird, wenn es heller wird im Raum. Auch das ist nicht gerade intuitiv und sollte meiner Meinung nach nicht als Default eingestellt sein. Gleichzeitig kann man das eine nicht ohne das andere haben – schade.

Die App bietet bequem Zugriff auf Playlisten und Einstellungen, ausserdem kann jeder Canvas von hier aus komplett gesteuert werden.
Die App bietet bequem Zugriff auf Playlisten und Einstellungen, ausserdem kann jeder Canvas von hier aus komplett gesteuert werden.

Fazit: Das Gerät macht dank der wirklich schönen, farbgetreuen und angenehmen Darstellung der Fotos sehr Spass und ist meiner Meinung nach ein gute Möglichkeit, auch jenseits eines Computer in den Genuss seiner Fotos zu kommen und ihnen als Wandschmuck Geltung zu verleihen. Dass die Einrichtung nicht ohne Hürden bewältigbar ist und die etwas seltsam gewählten Voreinstellungen, die sich nicht gerade intuitiv ändern lassen, trüben die Freude ein wenig – allerdings nur zu Beginn. Hier könnte Meural meiner Meinung nach noch nachbessern. Auch stünde dem Gerät wohl ein dedizierter On-/Off-Schalter auf der Rückseite gut zu Gesicht. So könnte man sicher sein, dass sich das Gerät bei Abwesenheit nicht plötzlich selbständig macht.

Übrigens: Wenn man sein Konto bei Meural eröffnet hat, erhält man auch Zugriff auf digitalisierte Gemälde renommierter Maler aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte. Mit einem Bezahl-Abo könnte man die Basis-Auswahl an Kunstwerken sogar noch wesentlich erweitern. Ich glaube aber, dass Fotografen das Gerät vor allem dazu benutzen werden, eigene Fotos an die Wand zu bringen und die Kunstsammlung von Meural eher eine untergeordnete Bedeutung haben wird.

Weitere Informationen: https://www.meural.com/

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